Ein Jahr Corona-Homeoffice

Cover Kanzler Podcast mit Titel der Folge "Ein Jahr Corona-Homeoffice"
(Grafik: FAU/Auer)

Auf ein Wort: Der Kanzlerpodcast mit Christian Zens

Zwölf Monate Homeoffice: In dieser Zeit haben wir Routinen abgelegt, neue Kommunikationswege ausprobiert, Schwachstellen entlarvt und mit Kreativität und Eigeninitiative neue Arbeitsweisen ausgetüftelt. Was haben wir in einem Jahr Homeoffice gelernt? Was wird uns auch in Zukunft bei unserer Arbeit an der FAU begleiten? Und warum stellt die Safety Card nicht nur uns, sondern auch den Kanzler vor Herausforderungen? Im Podcast „Auf ein Wort: Der Kanzlerpodcast mit Christian Zens“ ist Johanna Hojer, Volontärin der Stabsstelle Presse und Kommunikation, diesen Fragen nachgegangen.

Bild: PantherMedia, Colourbox, A. Förster, Thomas Ritter

Transkript des Interviews

Johanna Hojer: Es ist März 2021 und letztes Jahr um diese Zeit hatten vermutlich die meisten FAU Mitarbeiterinnen und FAU Mitarbeiter ihre letzten normalen Arbeitstage im Büro. Seit einem Jahr begleitet uns jetzt schon das Homeoffice und für mich persönlich ist das Homeoffice schon mehr zur Normalität geworden als ein Tag im Büro. Ich habe meine Stelle an der FAU nämlich erst im Dezember 2020 angefangen und die meiste Zeit davon bisher von Zuhause aus gearbeitet. Über ein Jahr Homeoffice, die Hochs und Tiefs und die Zukunft unserer Arbeit an der FAU spreche ich heute mit unserem Kanzler Herrn Zens. Hallo Herr Zens, schön, dass Sie da sind und ich freue mich auf unser Gespräch. Kanzler Christian Zens: Hallo, ich freue mich auch, Grüß Gott an alle. Johanna Hojer: Können Sie sich denn noch daran erinnern, wann der Stichtag war, an dem Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter letztes Jahr ins Homeoffice geschickt haben? Kanzler Christian Zens: Auf den Tag genau kann ich Ihnen das nicht sagen. Das war ja eine Phase, die im Grunde genommen wie ein Film abläuft. Alle Kolleginnen und Kollegen werden das wahrscheinlich bestätigen können. Am Anfang war ja zum Teil auch eine diffuse Angstsituation, muss man deutlich sagen. Man hat z.B. auch als ganz normaler Nachrichtenkonsument mitbekommen: Aha da ist ein Corona-Fall, bei Webasto damals. Naja, ist ja noch weit weg und was dann wirklich dazu gekommen ist, dass es sehr schnell nähergekommen ist und uns dann von einem Schlag auf den anderen wirklich auch unmittelbar betroffen hat. Deswegen, den genauen Tag kann ich ihnen nicht sagen, aber der Zeitraum Ende Februar, Anfang März, der trifft’s schon ziemlich gut. Johanna Hojer: Wir haben mal gekuckt, tatsächlich ging die erste E-Mail am 13. März raus und es war auch noch ein Freitag, also vielleicht war das schon der erste böse Vorbote. Da hieß es auch noch in der Mail, dass das erst mal vorübergehend für ein paar Wochen so sein wird. Hätten Sie damals gedacht, dass uns das Thema so lange begleiten wird?

Kanzler Christian Zens: Ehrlich gestanden ja, also man hat gesehen, wie dynamisch sich das ganze entwickelt hat. Man hat gesehen, dass es im Grunde genommen so ohne Weiteres nicht mehr einzudämmen ist. Die Vorstellungen, die es seinerzeit gegeben hat, man macht es über Nachverfolgung, versucht, die Infektionsherde in irgendeiner Art und Weise zu begrenzen, das hat sich ja ziemlich schnell als leere Vorstellung herausgestellt. Von daher gesehen, war ich damals schon von Anfang an der Meinung, das wird uns noch längere Zeit beschäftigen.

Johanna Hojer: Was würden Sie denn sagen, hat sich so im letzten Jahr getan, weil letztes Jahr im März war es ja eine sehr große Hauruck-Aktion, würde ich schon fast behaupten, jetzt haben wir ein Jahr Übung im Homeoffice, was hat sich denn seitdem so verändert?

Kanzler Christian Zens: Also zunächst mal muss ich etwas Positives sagen: Ich finde es immer noch sehr beeindruckend, wie die Kolleginnen und Kollegen sich mit dieser Situation auseinandergesetzt haben, wie schnell sich, ohne dass es in irgendeiner Art und Weise befohlen worden ist, Teams gebildet haben, die versucht haben, das Beste daraus zu machen und den Betrieb weiter aufrecht zu halten. Es hat sich ein informeller Krisenstab gebildet, längst bevor sich ein offizieller Krisenstab gebildet hat.

Als Beispiel wir haben’s, ohne dass ich da irgendetwas sagen musste, auch gleich so gemacht, dass wir Fragen, die auf uns eingeprasselt sind, über FAQs, über E-Mails auch am Wochenende beantworten konnten, da musste ich gar nichts sagen. Es haben sich die Kolleginnen und Kollegen zusammengefunden und sozusagen im Schichtbetrieb auch die Wochenenden abgedeckt, weil wir alle vor dieser unsicheren Situation standen. Diese Eigeninitiative, die war und ist nach wie vor bemerkenswert und darüber freue ich mich natürlich sehr.

Wir haben aber deutlich gespürt, dass es nicht mit der Bespielung eines einzelnen Kanals getan ist. Ich mache mal ein Beispiel: Wenn eine neue Regelung z.B. zur Maskenpflicht gekommen ist, wie macht man es am besten? Man kann natürlich kucken, ich schicke eine E-Mail an alle, es gibt einen allgemeinen FAU-Verteiler, und muss darauf vertrauen, dass sie alle lesen. Das tun wir auch, aber wir haben auch gemerkt, das alleine reicht nicht. Deswegen haben wir von Anfang an, vielleicht am Anfang intuitiv, später dann auch systematisch, darauf gesetzt, unterschiedliche Kommunikationskanäle zu bespielen

Wir haben jetzt im Bereich der ganzen Corona-Fragen sehr stark darauf gesetzt, dass wir z.B. über unsere zentrale Webseite und dann auch mit einem Frage-Antwort-Feld, FAQs, die allermeisten Fragen, Rückfragen, aber auch Hinweise geben können, und die dann immer sehr, sehr aktuell halten. Das alleine wird aber nicht reichen: Wir müssen einfach sehen, die FAU ist eine große Organisation. Wir haben knapp 40.000 Studierende. Wenn ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch mit dazu zähle, bin ich bei weit über 45.000 Köpfen und da müssen sie einfach wirklich realisieren, es reicht nicht einen Kanal zu bespielen, darum sitze ich auch heute hier.

Johanna Hojer: Ich wollte gerade sagen, das ist ja dann schon mal ein Beispiel dafür, welche Kanäle man sonst noch nutzen kann. Haben Sie denn Erfahrungen damit, wie sich die Arbeitsweise an der FAU geändert hat und dabei vielleicht vor allem die Kommunikationswege?

Kanzler Christian Zens: Homeoffice ist ja kein Konstrukt, was wir als Arbeitsform erst seit einem Jahr kennen. Wir haben auch schon vorher systematische, zwar nicht generell für alle, sondern im Einzelfall, Vereinbarungen mit den Beschäftigten getroffen, die dann für einen gewissen Anteil ihrer Zeit zuhause gearbeitet haben. Ein klassisches Homeoffice heißt dann auch, dass die Ausstattung entsprechend gegeben werden musste und ähnliches.

Was jetzt neu dazugekommen ist, dass im Grunde genommen von heute auf morgen ein Schalter umgelegt wurde und wir gesagt haben, alle gehen jetzt nach Hause, die nicht unbedingt vor Ort sein müssen. Das ging natürlich jetzt nicht mit den normalen Mechanismen wie individuellen Vereinbarungen als Anlage zu dem Arbeitsvertrag oder ähnliches. Sondern wir haben einfach alle nach Hause geschickt und haben gesagt, wir finden dann Lösungen, wie man von Zuhause aus arbeiten kann.

Jetzt ist es ja so, dass die allermeisten über die entsprechenden technischen Grundvoraussetzungen zuhause verfügen: einen Internetanschluss, ein Telefon und in aller Regel ja auch einen Computer. Das ist aber nicht das Homeoffice, so, wie man es jetzt normalerweise versteht, sondern das ist mobiles Arbeiten. Als solches wird’s bezeichnet und in dieser Phase befinden wir uns immer noch. Es gibt Teile der Beschäftigten, die klassischerweise im Homeoffice arbeiten. Viele arbeiten aber immer noch mobil.

Was wir dann gemacht haben und da muss ich dann auch meine Hochachtung zollen, wir haben erst mal z.B. 300 Telefone beschafft und zwar gerade noch in der Phase, bevor der Markt eng geworden ist. Es gab auch Zeiten, wo Telefone nicht mehr verfügbar waren oder auch bestimmte Laptops oder ähnliches einfach ausverkauft waren. Das haben wir gemacht und dann diejenigen ausgestattet, die über ihre normale Verbindung nicht reinkommen konnten. Und die sind auch fast alle weg, also alle ausgegeben.

Johanna Hojer: Haben Sie schon wieder neue bestellt, gab’s schon wieder neue Anfragen?

Kanzler Christian Zens: Also wir haben jetzt, glaube ich, die Bedarfe soweit abgedeckt. Dann muss man natürlich auch wissen, dass die Telefonverbindung der FAU mit der Telefonanlage des Universitätsklinikums gekoppelt ist und wir leider nur über eine beschränkte Anzahl von Leitungen verfügen. Deswegen war die Variante, mit Mobiltelefon zu arbeiten, für uns unerlässlich, um überhaupt die Kommunikation weiter aufrechtzuerhalten.

Es hat sich dann in den Referaten, glaube ich, auch relativ schnell ein gewisser Mechanismus entwickelt: Wie schaffe ich es auch in der Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen, die zum Teil vor Ort waren, oder wie schaffe ich es z.B. mit unterschiedlichen gemischten Teams, die Arbeit weiterhin zu bewältigen. Und rückblickend und auch der Stand jetzt, muss ich aber sagen, es hat echt gut funktioniert.

Wobei ich wirklich auch Hochachtung habe vor denjenigen Kolleginnen und Kollegen, die ja dann noch mit der zweiten großen Herausforderung konfrontiert waren und auch immer noch sind: nämlich möglicherweise schulpflichtige Kinder zu haben und dann auch noch Homeschooling zu betreiben. Und da muss man auch deutlich sagen, das ist von vielen vielleicht noch ein bisschen unterschätzt. Eltern sind keine Lehrerinnen und Lehrer und das ist nicht einfach so, dass man sich hinsetzt und ein bisschen Homeschooling betreibt. Das ist ein wahnsinniger Kraftakt, den ich in den täglichen Gesprächen auch mit den Kolleginnen und Kollegen mitbekommen habe.

Johanna Hojer: Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen – wurden Ihnen in der letzten Zeit Geschichten herangetragen, mit welchen Herausforderungen oder Problemen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade zu kämpfen haben, z.B. sowas wie, man muss Zuhause noch ein Kind betreuen und soll währenddessen, oder will währenddessen seine Arbeit ganz normal weiterführen. Gab es da mehrere solcher Geschichten und können Sie vielleicht eine davon oder unterschiedliche Beispiele davon erzählen?

Kanzler Christian Zens: Ja, Geschichten gibt es viele. Und ich habe ja mal so ein bisschen salopp gesagt, ich bin froh, dass meine Kinder aus der Schule sind und auch aus der Universität heraus. Das soll jetzt keine Herabwürdigung dessen sein, was die Kolleginnen und Kollegen leisten, im Gegenteil. Es soll eigentlich deutlich machen: Ich glaube, man kann sich, wenn man nicht in der Situation ist, gar nicht so richtig vorstellen, was für ein zusätzlicher Aufwand das ist. Es geht neben der Betreuung, ja auch um Psychologie. Sie haben es im Grunde genommen dann wirklich damit zu tun, dass sie Kinder, die gerne rausgehen würden, zum Teil nicht rausgehen lassen konnten, dass sie versuchen müssen, sie bei der Stange zu halten, dass sie dann damit kämpfen müssen, dass die Plattformen, die von den Schulen angeboten worden sind, nicht oder nicht gut funktionierten und ähnliches, dass die Lehrerinnen und Lehrer z.B. ja auch erst mal eine Lernkurve mitmachen mussten. Also solche Einzelgeschichten gab und gibt es viele. Es hat sich vielleicht doch einiges gebessert, aber es ist nach wie vor aus meiner Sicht weit von einer Routine entfernt.

Johanna Hojer: Was kann denn die FAU den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern anbieten, um sie in der besonderen Lage ein bisschen zu unterstützen, z.B. jetzt betreuenden Eltern?

Kanzler Christian Zens: Also was wir anbieten können, ist eine maximal flexible Arbeitszeit. Wir können technisch unterstützen und wir haben auch einige Initiativen, die nicht aus der Verwaltung gekommen sind, aber z.B. von Herrn Professor Maier initiiert worden sind, Lehrstuhl für Informatik, der wohl auch aus seiner persönlichen Situation heraus mit Studierenden an seinem Lehrstuhl Unterstützung für Schulen, für Schülerinnen und Schüler anbietet.

Es gibt sehr viele persönliche Initiativen auf dem Gebiet, die ich total toll finde, muss ich echt sagen. Ich glaube, man ist ein bisschen näher zusammengerückt, das kann man schon so feststellen, und wir haben einfach erkannt bei allen Kompromisslösungen: Das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ihre Arbeit immer noch gut und so gut wie möglich zu machen, ist ungebrochen, und das Ergebnis zeigt’s auch.

Es hat sich ein bisschen verlagert, wenn ich z.B. meinen eigenen Schreibtisch sehe: Da gibt es mittlerweile ein oder zwei Tage, wo der Posteingang, der bei mir auf dem Tisch landet, relativ gering ist, und dann gibt es aber auch die anderen Tage, wo auf einmal doppelt so viel kommt, je nachdem wer gerade im Büro ist, um sozusagen die klassisch physische Büroarbeit zu machen. Die Menge ist unterm Strich aber definitiv nicht geringer geworden.

Johanna Hojer: Ok, das heißt ja, dass sich die Arbeit durchs Homeoffice eigentlich in keiner Weise schlechter verändert hat, oder?

Kanzler Christian Zens: Die Qualität definitiv nicht und von der Quantität her kann ich es auch nicht beschreiben, man vermisst allerdings einiges. Also, ich glaube, dass auch diese Geschichten, die ich von Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen kenne: man vermisst schon den Austausch und wir alle wissen auch, wie wichtig z.B. das ein oder andere Flurgespräch ist. Es geht auch um die soziale Komponente. Ich gehe ja nicht acht Stunden am Tag, oder wie viel auch immer, in die Arbeit, senke meinen Kopf über die Akten und acht Stunden später hebe ich ihn wieder, um nach Hause zu gehen. Man tauscht sich aus, das ist eine Binsenweisheit, ich weiß, aber ich glaube, es ist vielleicht auch für viele deutlich geworden, wie wichtig auch dieser tägliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen ist. Deswegen gibt es durchaus auch Stimmen, die sagen, ich schätze zwar die Möglichkeit, von Zuhause aus zu arbeiten, aber ich möchte auch wieder zurück.

Johanna Hojer: Genauso würde ich es tatsächlich auch sagen. Also ich war sehr froh darüber, dass ich meine Einarbeitungstage noch vor Ort gemacht habe, dass ich die Leute mal gesehen hab, bevor ich sie dann nur noch über Zoom-Calls oder am Telefon hatte, und ich allein durch diesen Austausch halt schon sehr, sehr viel mitgenommen habe und mich jetzt jedes Mal freue, wenn ich mal wieder einen Tag ins Büro kommen kann oder muss.

Das bringt uns dann auch schon zur nächsten Frage, was glauben Sie denn, wie es in Zukunft sein wird? Also ich bringe Sie jetzt nicht in die Bredouille zu fragen, wann wir alle wieder zurückkommen können und wann wir wieder physisch zusammenarbeiten, aber Sie haben in dem Interview im Juli letzten Jahres gesagt, dass es sowieso kein Zurück zu vor Corona geben wird. Und das war damals auch schon im Arbeitskontext. Was haben Sie damit gemeint, würden Sie das noch mal genau so sagen und was bedeutet das für unsere Arbeit in Zukunft?

Kanzler Christian Zens: Ja, ich sage das nach wie vor aus voller Überzeugung. Es wird in vielen Bereichen keinen vor Corona Zustand mehr geben, aber wir reden ja jetzt über die Arbeit, über die FAU, und auch da wird das anders aussehen. Ich kann ihnen noch nicht genau sagen, wie dann, in sagen wir mal zwei bis drei Jahren, der eingeschwungene Zustand sein wird. Ich glaube, wir werden aber mit einer deutlich vielfältigeren Arbeitswelt leben und ich sage auch gerne leben: Wo es nicht mehr ganz so wichtig ist, wo ich arbeite und vielleicht auch nicht mehr so wichtig ist, wann ich arbeite, sondern wo man tatsächlich auch ein bisschen konsequenter auf das Ergebnis kuckt.

Und man hat natürlich Herausforderungen: Auch im Homeoffice oder beim mobilen Arbeiten gibt es gewisse Rahmenbedingungen, die können wir nicht kippen. Es gibt ein Arbeitszeitgesetz, ich muss meine Ruhephasen einhalten, ich muss auch irgendwo dafür sorgen, dass ich erreichbar bin zu gewissen Zeiten. Mich hat aber gerade das letzte Jahr gelehrt, das waren die geringsten Probleme, die wir hatten. Also meine Kolleginnen und Kollegen waren, auf welchem Weg auch immer, erreichbar zu den Zeiten, wo ich es auch wollte.

Wir haben auch gesehen, dass z.B. die Möglichkeit der Videokonferenzen dazu führt, dass man vielleicht auch selber mal nachdenkt: Muss ich denn noch die eine oder andere Dienstreise machen? Ich selbst habe das ja in meinem eigenen Umfeld, in meinem eigenen Arbeitsgebiet durchaus sehr deutlich gespürt. Ich bin ja unter anderem noch in diversen Arbeitskreisen, bundesweiten Arbeitskreisen oder auch als Vorstandsmitglied des DFN-Vereins in Berlin tätig und da war es bis letztes Jahr so, dass man dann zwei, drei, vier Dienstreisen nach Berlin hatte. Das ist jetzt hier nicht so schlimm, aber es ist dann doch viel Reisezeit drauf gegangen. Und ich habe festgestellt, es geht auch ohne. Das schließt jetzt nicht aus, dass ich dann doch wieder das ein oder andere Mal auf Dienstreise gehe, aber ich brauche es definitiv nicht mehr in dieser Häufigkeit und kann Videokonferenzen aus meiner Sicht dann ganz gut nutzen.

Und eins hat sich auch gezeigt, gerade bei diesen Arbeitskreisen, wenn mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Gebieten, sei es jetzt Bayerns oder der Bundesrepublik kommen, die Absenzquote ist jetzt relativ gering geworden. Es ist einfacher, sich vom Schreibtisch aus zuzuschalten und den Zeitslot für eine Sitzung zu finden, weil ich ja nicht ein paar Stunden anreisen muss.

Johanna Hojer: Man spart sich ja jetzt zum Beispiel nach Berlin dann auf jeden Fall schon vier Stunden ICE hin und zurück, wenn man den schnellen ICE erwischt.

Kanzler Christian Zens: Genau, ich habe das auch durchaus an einem Tag gemacht. Ich muss allerdings auch sagen, das vermisse ich jetzt ein bisschen, denn das waren in der Regel die Zeiten, die ich am konzentriertesten arbeiten konnte, ohne dass ich abgelenkt werde.

Johanna Hojer: Was würden Sie denn sagen, müssen wir noch bisschen verbessern? Was hat sich im letzten Jahre gezeigt, hat noch Potenzial?

Kanzler Christian Zens: Ich sag’s mal mit einem Schlagwort: Das Potenzial ist ganz klar in der Digitalisierung. Jetzt ist es nicht so, dass wir erst im letzten Jahr angefangen haben, am 13. März kam die erste E-Mail zu den Corona-bedingten Einschränkungen. Wir haben ja bereits vorher mit den Gedanken und mit den Initiativen zur Digitalisierung begonnen. Ich selbst bin ja seit Februar 2017 hier an der FAU und hab dann relativ schnell gesehen, dass man doch noch einiges an Digitalisierung hier auf den Weg bringen kann.

Deswegen haben wir das auch einfließen lassen in die Zielvereinbarung mit dem Wissenschaftsministerium und haben das Projekt Move@FAU aus der Taufe gehoben. Das war bereits 2018, also schon deutlich vor Corona. Was wir jetzt erfahren, ist, dass wir einen gewissen Schub kriegen. Dass man jetzt vielleicht auch merkt, wie wichtig es ist, da jetzt nicht nur Lücken zu füllen und voranzukommen bei der Frage der Digitalisierung, sondern dass es auch darum geht, wie schnell wir jetzt vorankommen. Ein Digitalisierungsprojekt, das muss ich jetzt mal bisschen leidenschaftlich sagen, weil es „mein Projekt“ ist, ist in erster Linie ja aber nicht nur die zur Verfügung Stellung von Technik, sondern das ist auch ein Organisationsentwicklungsprojekt.

Und ich warne auch immer davor, das dann gleichzusetzen mit irgendwelchen Rationalisierungsüberlegungen. Unser Fokus bei der Digitalisierung ist, die Qualität zu erhöhen, auch die Qualität des Zusammenarbeitens. Ein guter Nebeneffekt dabei ist, dass man dann auch ortsunabhängiger und auch zeitunabhängiger arbeiten kann. Da erwarte ich mir jetzt einen deutlichen Schub. Deswegen sage ich auch, dass wir nach Corona definitiv nicht mehr denselben Zustand haben werden wie vor Corona.

Johanna Hojer: Da sind wir dann mal gespannt, wie es sich in Zukunft so entwickelt. Ich habe noch eine Frage. Vermutlich beschäftigt das gerade viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, weil sie vom Ministerium für Arbeit und Soziales die Safety Card bekommen haben, die sie gerade ausfüllen müssen. Und da gab’s sehr viel Unsicherheit, die ich auch gespürt habe, weil ich nicht so wirklich wusste, woher das jetzt kommt und was ich damit machen soll. Vielleicht können Sie uns die Unsicherheit nehmen: Was ist die Safety Card eigentlich? Und was bedeutet sie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Kanzler Christian Zens: Das ist jetzt eine Frage, wo ich jetzt aufpassen muss, dass ich nicht zu pointiert darauf antworte, weil diese Regelung mich ehrlich gesagt total genervt hat.

Sie stammt ja aus dem Bundesarbeitsministerium. Der Bundesminister Heil hatte offensichtlich, ich weiß nicht, Betriebe im Fokus gehabt, wo noch zu wenig Homeoffice eingeführt worden ist. Dieses Problem hatten wir ja nicht. Wir hatten ja zum einen schon von der Bayerischen Staatsregierung die Vorgabe, dass wir alles was an Arbeit irgendwie möglich ist, im mobilen oder im Homeoffice machen sollten, sodass jetzt diese Verordnung, die über uns gekommen ist, sage ich jetzt mal, für uns eigentlich ins Leere gelaufen ist, vom Ziel her. Von der Umsetzung hat sie uns dann vor große Schwierigkeiten gestellt, weil auf einmal sehr viel dokumentiert werden muss.

Das, was wir jetzt ein Jahr informell gemacht haben, muss jetzt auf einmal alles dokumentiert werden. Und dann ist diese Verordnung auch noch befristet bis zum 15. März. Mal sehen, ob sie verlängert wird. Diese Dokumentation ist natürlich auch gleich mit Ordnungswidrigkeiten versehen, kann von den Behörden überprüft werden, also von der Gewerbeaufsicht oder wie auch immer. Das heißt, wir mussten in den sauren Apfel beißen und mussten diese Dokumentation anbieten.

Jetzt ist es aber so, dass diese Safety Card, wenn man sie im Einzelnen mal durchliest, Positionen beinhaltet, die sich nicht decken mit den bisherigen, freiwilligen Angeboten, die wir mit den Beschäftigten gemacht haben: Ihr könnt von Zuhause aus arbeiten, mobil arbeiten, nicht Homeoffice im eigentlichen Sinne, aber mobil arbeiten auf freiwilliger Basis. Und die meisten haben es ja auch angenommen. Jetzt muss ich dokumentieren, gibt es die entsprechenden Arbeitsplätze, die Arbeitsplatzgestaltung. Im Grunde genommen werden dann die Arbeitssicherheitsvorschriften, die sehr sinnvoll sind, aber für die Masse an gleichzeitig ins Homeoffice geschickten Personen, nicht tauglich sind. Wir haben gesagt, wir gehen da pragmatisch ran. Diese Checkliste, die im Einzelnen da ist, kann ausgefüllt werden und wenn es im Einzelfall erst nach dem 15. März ausgefüllt ist, dann ist es halt so.

Johanna Hojer:  Bleiben die ausgefüllten Safety Cards dann bei Ihnen oder müssen Sie die ans Ministerium schicken?

Kanzler Christian Zens: Nein, die bleiben hier. Die sind zu dokumentieren, dass, sollte dann die Gewerbeaufsicht oder wer auch immer vor Ort Kontrollen machen, was natürlich sein kann und was ihr gutes Recht ist, sie parat gehalten werden. Aber die werden nicht weiter versandt.

Johanna Hojer:  Das heißt, es hat jetzt erst mal auch gar keinen Einfluss auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Kanzler Christian Zens: Nein, also wir werden diese Safety Cards im eigentlichen Sinne, ich würde sie jetzt auch lieber anders bezeichnen… aber im Grunde genommen geht es um einen Katalog von Fragen, der sich mit klassischen Homeoffice Arbeitsplätzen beschäftigt. Das ist etwas, was nicht neu ist für uns. Das ist in den Arbeitssicherheitsrichtlinien enthalten, was wir dann auch sukzessive für alle, die es wollen, künftig parat haben werden. Also wir werden diese Checkliste, die auch nicht neu ist im eigentlichen Sinne, natürlich immer im Einzelfall bei allen Anträgen auf Einrichtung eines Homeoffice Arbeitsplatzes prüfen.

Theoretisch müsste ich ja jetzt hergehen, mit meinem Sachgebiet Arbeitssicherheit und müsste nochmal vor Ort gucken, stichprobenartig oder wie auch immer, stimmt denn das so, dass da zum Beispiel ein eigenes Arbeitszimmer vorhanden ist, oder, dass da ein geeigneter Bürostuhl da ist oder nicht. Das ist die Theorie, in der Praxis müssen wir sagen, das können wir gar nicht leisten. Da müssen wir schon auf die Angaben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertrauen und das tun wir auch gerne.

Johanna Hojer: Das ist doch ein schönes Schlusswort, Vertrauen in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich habe in den letzten paar Minuten mit Herrn Zens über das eine Jahr Homeoffice an der FAU gesprochen. Herzlichen Dank Herr Zens für Ihre Zeit und ich freu mich aufs nächste Mal.

Kanzler Christian Zens:  Herzlichen Dank für die Fragen und ich freu mich auch auf das nächste Mal. Bin mal gespannt, was wir dann für ein Thema aufgreifen.