Digitale Barrierefreiheit

Ansprechpartnerin und Ansprechpartner für digitale Barrierefreiheit
Katrin Sell vom Büro für Gender und Diversity und Wolfgang Wiese vom RRZE sind Ansprechpartner zum Thema digitale Barrierefreiheit. Bild: Katrin Sell/ Wolfgang Wiese.

Mit wenig Aufwand können alle dazu beitragen, digitale Barrierefreiheit an der FAU voranzutreiben

Menschen sind keine Drucker

An der FAU gibt es Menschen mit Behinderungen, nicht alle davon sind sichtbar. Sehbehinderte oder alle, die nur eingeschränkt sehen können, sind zum Beispiel auf technische Unterstützung beim Lesen angewiesen. Um ihnen und allen Menschen mit Behinderungen an der FAU eine gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen, sind unterschiedliche Hilfestellungen notwendig. Bereits kleine Anpassungen machen das Leben von Betroffenen sehr viel leichter und stellen sicher, dass sie in gleichem Maß am universitären Leben teilnehmen können. So sollen beispielsweise für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen Dokumente und Internetseiten barrierefrei gestaltet sein.

Über das Thema „digitale Barrierefreiheit“ haben wir mit Katrin Sell, der Projektkoordinatorin für das Projekt „Inklusion an der FAU“, und Wolfgang Wiese vom RRZE gesprochen.

Mehr als Rollstuhlrampen

Katrin Sell
Katrin Sell ist Projektkoordinatorin für das Projekt „Inklusion an der FAU“. Bild: Katrin Sell.

Räumliche Barrieren wie Treppen ohne Rollstuhlrampen kommen vielen Menschen als Erstes in den Sinn, wenn sie über Barrierefreiheit nachdenken. „Der Begriff bedeutet erst einmal aber nur, dass alle Menschen am gesellschaftlichen oder universitären Leben teilhaben können, ohne dabei auf Hindernisse zu stoßen“, sagt Katrin Sell vom Büro für Gender und Diversity. Barrierefreiheit bedeutet daher auch, dass strukturelle oder digitale Barrieren abgebaut werden.

„Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass nicht jeder Mensch Inhalte so sieht wie wir selbst,“ sagt Wolfgang Wiese. Das kann vielerlei Gründe haben: eine Sehbeeinträchtigung, ein kleiner Smartphone-Bildschirm oder schlechte Lichtverhältnisse.

Da Beeinträchtigungen allerlei Gründe haben können, ist es wichtig, dass die Mitarbeitenden und Studierenden an der FAU beginnen umzudenken: Funktionalität und Benutzbarkeit für alle müssen an erster Stelle stehen. Deshalb ist es wichtig, dass Dokumente und Websites so angelegt werden, dass Vorlese-Anwendungen, sogenannte Screenreader, die Inhalte als Sprache ausgeben können.

Technisch kein Thema

Wolfgang Wiese
Sorgt vom RRZE aus für digitale Barrierefreiheit: Wolfgang Wiese. Bild: Wolfgang Wiese

Wolfgang Wiese erklärt, dass es technisch gesehen nicht schwer ist, Word-Dokumente barrierefrei zu gestalten. Sorgfalt ist das wichtigste Kriterium. Konsequent benutzt, machen Absatzvorlagen, also Gestaltungsinstrument für Textdokumente, schon einen großen Unterschied. Wenn dann auch noch Bilder und Grafiken sorgfältig mit Alternativtexten beschriftet sind, sind die wichtigsten Punkt schon erfüllt.

Wer Word-Dokumente verfasst, die später als PDFs verwendet werden, sollte darauf achten, Absätze oder Einrückungen nicht mit Leerzeichen, Tabstopps und Schaltungen zu erzeugen, sondern die in Office eingebauten Formatvorlagen zu verwenden. So können Screenreader die Inhalte (vor)lesen, ohne dass Nutzerinnen und Nutzer zum Beispiel „Leerzeichen, Leerzeichen, Leerzeichen, Leerzeichen, Leerzeichen, Leerzeichen, Leerzeichen“ hören.

Hilfe gibt es auch: Neuere Office-Versionen, die zum Beispiel bei allen FAU-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf den Rechnern installiert sind, bieten die Möglichkeit unter dem Reiter „Überprüfen“ das Dokument auf mögliche Mängel in der Barrierefreiheit zu kontrollieren.

Es existiert auch eine ausführliche Beschreibung von Microsoft mit Hilfe derer die Probleme behoben werden können. Hierzu haben das Rechenzentrum und das Büro für Gender und Diversity in Zusammenarbeit mit der Schwerbehindertenvertretung auch eine Kurzanleitung zur Verbesserung der digitalen Barrierefreiheit erstellt.

Wer noch mehr lernen möchte, kann Kurse am RRZE belegen. Für Lehrende bietet das Büro für Gender und Diversity in Kooperation mit dem Beauftragten für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung regelmäßig über das FBZHL eine Einführung in die barrierefreie Lehre an.

Einmal für alle, einmal als Zusatz

Im Internet gilt die Strategie „Web first“: Inhalte sollten direkt eingepflegt und zum Beispiel nicht als PDF hochgeladen werden. Das lohnt sich nicht nur in Hinsicht auf Barrierefreiheit: Auch die Suchmaschinenoptimierung profitiert davon. Gestalterisch sind die Möglichkeiten zwar gegebenenfalls etwas begrenzter, aber Wolfgang Wiese erklärt: „Inhalte sind für Menschen gemacht, PDFs für den Druck. Menschen sind aber keine Drucker.“

Natürlich spricht nichts dagegen, neben Inhalten, auch ein Plakat, das für den Aushang gestaltet wurde, zu verlinken. Dieses sollte aber als Zusatzangebot verstanden werden. Die Information, die das Plakat enthält, muss an anderer Stelle als Text zugänglich sein.

Jeder profitiert

„Wir müssen uns vor Augen halten, dass nicht nur eine kleine Gruppe von Personen von Barrierefreiheit profitiert,“ sagt Katrin Sell. „Vielmehr haben alle einen Vorteil, wenn Inhalte barrierefrei zugänglich sind. Zum Beispiel profitieren auch internationale Angehörige der FAU von Transkripten.“ Es sei wichtig, dass Barrierefreiheit von allen beachtet und umgesetzt werde, auch um sicherzustellen, dass Menschen mit Beeinträchtigungen diese nicht gezwungenermaßen kommunizieren müssen und dennoch gleichen Zugriff auf Inhalte haben.

„Ein Selbsttest, den ich gerne vorschlage, ist zu überprüfen, ob das eben erstellte Dokument auf dem Smartphone genauso gut lesbar ist wie auf dem Desktop. Oder versuchen Sie mal, die Website ohne Maus zu bedienen. So fallen Mängel in der Barrierefreiheit auf, die vorher übersehen wurden“, sagt Wolfgang Wiese. „Es braucht etwas Zeit, alte Gewohnheiten hinter sich zu lassen und anzufangen in Absatzvorlagen zu denken, schwer ist es aber nicht.“

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