Podcast: Digitale Räume und Lehre an der FAU

Christian Zens und Sonia Hetzner
Foto: Thomas Ritter, Markus Tischner, FAU

Gespräch mit Kanzler Christian Zens und Sonja Hetzner vom ILI

Auch nach Corona wird die hybride Lehre an der FAU eine wichtige Rolle spielen. Das wird sich nicht nur auf Vorlesungen und Seminare auswirken, sondern damit auch auf die Räumlichkeiten in den Gebäuden der Universität. Doch was bedeutet das genau? Welche Anforderungen gibt es an neue und alte Räume? Was tut sich da bereits an der FAU und was ist konkret geplant? Darüber spricht Deborah Pirchner von der Stabsstelle für Presse und Kommunikation mit Kanzler Christian Zens und Sónia Hetzner vom Institut für Lerninnovation in einem Podcast-Gespräch.

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Transkript

Deborah Pirchner (DP): Fragt man die deutschen Hochschulleitungen, wird die hybride Lehre in der Zukunft eine noch viel wichtigere Rolle spielen, auch in der Post-Coronazeit. Vor allem wird der Weiterbildungsbereich und der Bereich der Vorlesungen betroffen sein. Dort könnten schon bald ein Drittel der Veranstaltungen auch digital stattfinden. Das sind die Ergebnisse des Hochschulbarometers 2021. Doch wie können wir uns jetzt auf die Anforderungen an Lehrräume, die damit einhergehen, vorbereiten? Von welchen Anforderungen sprechen wir eigentlich? Und was tut sich an der FAU? Darüber spreche ich heute mit gleich zwei Gästen.

Wie immer dabei ist unser Kanzler Christian Zens. Und auch hier ist Sonja Hetzner vom ILI. Das Institut für Lerninnovation ist das Kompetenzzentrum für Digitale Bildung an der FAU und das Forschungsinstitut Teil der Philosophischen Fakultät. Herr Zens, Frau Hetzner. Es freut mich sehr, dass wir uns heute zu dritt zusammengefunden haben.

Christian Zens (CZ): Ja, grüß Gott.

Sónia Hetzner (SH): Hallo auch von meiner Seite und vielen Dank für die Einladung.

DP: In einer vorherigen Podcastfolge haben wir das Thema, wie die Büros und Hörsäle der Zukunft aussehen könnten ja schon mal kurz angeschnitten und es tut sich auch sehr viel auf dem Gebiet.  Die Ergebnisse des Architekturwettbewerbs für den Himbeerpalast sind da, die für das Hörsaalzentrum in der Henkestraße werden wir bald erhalten. Doch wie sieht es in diesen Gebäuden aus? Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben vielleicht die Pläne für den Himbeerpalast schon gesehen. Die schicke Glasfront, die es uns an dieser Stelle erlaubt, einen Blick ins Innere zu werfen. Was sehen wir innen? In der Zukunft hoffentlich digitalisierte Räume, da Digitalisierung ein wichtiges Thema für alle an der FAU ist. Wie bereiten wir uns jedoch auf diese Räume vor? Wie passen wir uns an? Dafür gibt es unter anderem die Arbeitsgruppe Lehr- und Lernräume. Herr Zens, Frau Hetzner, Wollen Sie mal erzählen, was die AG macht? Wer kann teilhaben an der Arbeit und wie kann man sich über die Ergebnisse informieren?

CZ: Ja, ich greif das gerne auf. Ich gehe nochmal mal ganz kurz zurück, ungefähr ein Jahr oder so. Sie haben den Himbeerpalast angesprochen. Damals war der Architektenwettbewerb noch nicht begonnen und wir haben aber gleichzeitig schon die Pläne natürlich ausformuliert, wie soll das künftige Hörsaalzentrum aussehen? Es ist mir in dem ganzen Prozess ist mir immer flauer im Magen geworden, weil ich mir einfach gedacht habe, wir planen jetzt Gebäude, so wie wir es gelernt haben, auf der Basis von irgendwelchen Entwicklungen, die bis zum Jahr 2018 gegangen sind. Das war so ungefähr die Deadline für die Planungen und berücksichtigen noch nicht, oder jedenfalls nicht ausreichend, was jetzt in den letzten zwei Jahren passiert ist, wie sich die Welt auch die Lehr- und Lerninfrastruktur geändert hat und wie sie sich ändern soll. Jetzt hätte ich natürlich die zwei Möglichkeiten gehabt zu sagen Dann fangen wir halt noch mal an zu planen. Aber genau das wollte ich nicht, weil wir natürlich nichts riskieren wollten, dass wir beim Hörsaalzentrum, das ja sehr, sehr wichtig ist für die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie, aber nicht nur, dass wir da Zeitverzug haben. Darum habe ich mir engagierte Kolleginnen und Kollegen gesucht. Und natürlich habe ich als erstes beim ILI angeklopft und gefragt, würden sie denn den Part übernehmen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, die sich mit dem inhaltlich didaktischen beschäftigen? Ich liefere sozusagen die Leute bei, die, die sich mit dem Bau beschäftigen, inklusive dann des Rechenzentrums. Und ich bin da auf sehr, sehr viel Wohlwollen und Enthusiasmus gestoßen. Man hat gesagt, ja, es ist sinnvoll, sich darüber nicht nur zu unterhalten, sondern tatsächlich auch Pläne zu machen. Und das hat dann letztendlich dazu geführt, dass wir diese Arbeitsgruppe Lehr- und Lernräume auf den Weg gebracht haben. Frau Hetzner, die glücklicherweise heute den Part auch übernehmen wird uns da inhaltlich etwas zu sagen, hat sich auch sofort bereit erklärt, dann die inhaltliche Arbeit damit zu machen. Wir haben darüber hinaus einige interessierte Didaktikerinnen und Didaktiker gefragt, sich zu beteiligen und wie gesagt, aus der Infrastruktur heraus die Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung G, die dann ebenfalls mit beteiligt waren. Sowohl unser Baureferat G4 als auch unser neuer Kollege, Herr Flevaris, der Architekt ist, und sich damit eingebracht hat, aber auch unsere Truppe um Frau Geck, die die Bewirtschaftung übernehmen. Zu den wissenschaftlichen Teilnehmenden das kann dann die Frau Hetzner gleich nochmal sagen wer auch noch dazu gekommen ist. Nur vielleicht abschließend jetzt so viel: Ich war begeistert, dass wir wirklich innerhalb eines halben Jahres ein sehr, sehr gutes Zwischenergebnis zustande gebracht haben, dass wir jetzt natürlich auch in die Hochschulöffentlichkeit tragen wollen. Ich sage aber explizit Zwischenergebnis, weil die Arbeit der der Arbeitsgruppe noch nicht zu Ende ist.

SH: Genau. Die Arbeit der Arbeitsgruppe ist nicht zu Ende, weil diese Arbeit niemals zu Ende sein wird. Hochschullehre wird sich einfach immer weiter verändern. Was wir natürlich jetzt durch Corona erlebt haben, war einfach eine ganz starke Veränderung. Wir haben Konzepte und Ideen, die auch schon vor Corona da waren, sehr, sehr schnell in die Breite umgesetzt. Wir haben sie quasi  im Notfallmodus umgesetzt. Und jetzt wollen wir natürlich überlegen, wie kann einfach in einer  Postcoronaphase dann die Lehre insgesamt gestaltet werden? Da müssen die Themen Raum und Didaktik zusammenarbeiten und es musste einfach insgesamt überlegt werden. Und es war, wie Herr Zens schon gesagt hat, genau das Ziel von dieser AG, dass sowohl diejenigen, die sich mit dem Thema Raum befassen, als auch diejenigen, die sich mit dem Thema Lehre, Lehre der Zukunft und Didaktik befassen, zusammenkommen und austauschen. Von der didaktischen Seite waren natürlich ganz viele Vertreter des ILIs, also ich und Frau Prof. Bedenlier, sie ist Professorin für e-Learning an der Hochschule. Es war noch Professor Wilbers von der WiSo, er ist auch der Sprecher der Studiendekane. Und es waren natürlich auch im Hintergrund vielleicht nicht so aktiv in der AG, aber auch ganz viele Kollegen aus dem ILI die beispielsweise das Thema e-Prüfungen oder auch didaktische Medienproduktion einfach vertreten haben. Und ich denke, wie Herr Zens schon gesagt hat, dass es uns gelungen ist, wirklich diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenzubringen, zu analysieren und einfach Ideen für die Zukunft der Räume an der FAU zusammenzutragen.

CZ: Und dann müssen wir vielleicht noch mal einen Punkt ganz besonders hervorheben: Wir haben eine einmalige Chance, die muss man sagen, gerade an der FAU, dass wir eben aufgrund unserer Neubauvorhaben nicht nur für das Papier planen, sondern tatsächlich auch in den nächsten Jahren diese Konzepte, so wie wir sie haben, umsetzen können. Ich habe das Hörsaalzentrum in der Henkestraße erwähnt. Begonnen haben wir eigentlich schon mit den Planungen für die Erziehungswissenschaften in Nürnberg, wo das Bestellbauverfahren schon auf dem Weg gebracht ist und wo wir bereits sehr intensiv dann versucht haben, die Konzepte, so wie wir sie jetzt entwickelt haben, mit einzubringen. Wir müssen davon ausgehen, dass wir darüber hinaus im Erlanger Zentrum auch das Kollegienhaus in absehbarer Zeit in die Sanierung bringen. Und wir haben auf dem Südgelände vier neue Hörsäle, die jetzt nächstes Jahr auch entsprechend errichtet werden. Plus in absehbarer Zeit hoffe ich die Sanierung des ganzen MHB-Komplexes. Also insofern eine tolle Ausgangslage. Wir können das, was wir uns jetzt hier uns erarbeiten, was wir uns vornehmen, tatsächlich auch in den nächsten Jahren umsetzen.

DP: Sie haben ja erwähnt, Herr Zens, dass für manche der Gebäude der Planungsstand aus dem Jahr 2018 stammt. Von Frau Hetzner habe ich allerdings auch gehört, dass wir uns sehr schnell durch die Corona Zeit anpassen mussten. Ich weiß nicht, inwiefern der Planungsstand von 2018 und die Lehre in der Corona Zeit zusammengehen kann. Gibt es noch bestimmte Anpassungen, wenn man es so nennen möchte? An den Gebäuden, die wir jetzt haben, könnte man zum Beispiel hergehen und eine Steckdose umplanen? Oder wären es Dinge wie Möblierungen, Whiteboards, Projektoren, die sozusagen noch eingebaut werden können, um die Lehre für eine digitale oder hybride Welt anzupassen?

CZ: Ja, das sind Dinge, die wir, ohne jetzt in die Rauminfrastruktur direkt eingreifen zu müssen, umsetzen können. Das ist aus meiner Sicht überhaupt kein Problem. Bei den Steckdosen kann es eher ein Problem werden, weil Sie finden die Handwerker heute gar nicht mehr, die Ihnen das schnell umsetzen. Ich denke ja zum Beispiel an das Beispiel der Bibliothek: Hier haben die Studierenden es waren damals glaube ich 5000 Euro durch Crowdfunding aufgetrieben und haben gesagt, wir wollen in der Bibliothek mehr Steckdosen haben. Diese 5000 natürlich hinten und vorne nicht gereicht, ich glaube, ich habe noch mindestens 60.000 draufgelegt. Aber nichtsdestotrotz es hat anderthalb Jahre gedauert, bis dann die Steckdosen installiert werden konnten, weil wir einfach keine Handwerker gefunden haben, die das in absehbarer Zeit gemacht haben. Aber die sollten nur ein Beispiel sein. Natürlich, wir haben hunderttausende von Euro in die WLAN-Infrastruktur investiert, in den letzten Jahren, also massiv in der Richtung auch den Wünschen und den Ansprüchen der Studierenden, aber auch der Lehrenden, Rechnung getragen. Wir werden auch weiter investieren für die einzelnen Verbesserungen. Whiteboards haben Sie angesprochen. Auch das ist eine Möglichkeit, die man machen kann, ohne jetzt die Gebäude komplett neu umzubauen. Aber, und das ist jetzt die Erkenntnis, die ich aus der Arbeit der Arbeitsgruppe gezogen habe, Das ist im Grunde genommen nicht mal ein halber Weg. Wir müssen die Räume anders denken. Es müssen Zonierungen gedacht werden. Also ich habe nicht mehr den klassischen Hörsaal, häufig zumindest nicht mehr, wo ich dann Frontalunterricht habe, sondern ich habe im Grunde genommen multifunktionale Räumlichkeiten künftig. Ich habe auch eine Abstufung zwischen stillen Rückzugsorten, unter anderem für Selbstlernen bis hin zu kollaborativen Flächen, die dann schon fast in eine Art von Cafeteria übergehen können, wo ich im Grunde genommen wirklich die Architektur komplett anders denken muss.

SH: Genau, vielleicht die Funktion des Campus an sich wird sich leicht verändern. Je mehr wir digitale und hybride Formate in die Hochschullehre reinbringen, also digitale Formate wie zum Beispiel „blended learning“, das klassische „flipped classroom“, das vielleicht der eine oder andere schon kennt. Das heißt, da gibt es hier eine Abwechslung zwischen digitaler, online Teilnahme an einer Lehrveranstaltung und Präsenzveranstaltungen. Digital mache ich das, was ich klassischerweise in der in der Vorlesung im Hörsaal gemacht habe: Ich höre zu. Ich sehe etwas. Ich schaue mir bestimmte Filme an und ich übe. Das mache ich jetzt allein. Und damit ich das allein machen kann, auch auf dem Campus, brauche ich genau diese Rückzugsräume, wo ich einfach arbeiten kann. In dem Hörsaal selbst muss ich einfach die Kollaboration, die Interaktion einfach stärker zulassen. Ich treffe mich mit Kommilitoninnen und Kommilitonen und mit Dozentinnen und Dozenten, um mich auszutauschen, bestimmte Fragen zu bearbeiten und miteinander zu reden, in Kontakt zu treten. Digitale Lehre heißt ja nicht, dass man isoliert lernt. Ganz im Gegenteil. Da brauchen wir ganz besonders viel das Soziale. Und genau deswegen brauchen wir diese Konzepte zwischen Rückzugsraum und sozialer Raum, sozialer Raum, in dem man sich trifft, Dinge bespricht, zusammen arbeitet und die Kollaboration einfach möglich sein wird. Und das sieht man einfach, wie Raumgestaltung und Didaktik so eng miteinander gehen müssen. Und das zweite Thema, was natürlich uns im Kontext der Digitalisierung immer begleitet, ist das Thema IT- und Audio- und Videoinfrastruktur. Die muss einfach da sein. Wir müssen nach und nach einfach die Räumlichkeiten in diesem Kontext anpassen, umbauen, sodass die Integration zum Beispiel von Online-Lehre in der Übungsveranstaltung, in der Vorlesung möglich wird, aber auch, dass Inhalte in den Seminarräume oder Vorlesungen entsprechend aufgenommen werden können, und zwar so, dass für die Lehrende diese Aufgabe nicht als neue Herausforderung gesehen wird. Es muss alles sehr selbsterklärend sein und das sind alles Konzepte, die natürlich in der Zukunft Einzug finden müssen in allen Räume der EV.

CZ: Unsere Schwierigkeit ist dabei natürlich, ich sage es mal ein Stück weit, in die Glaskugel zu gucken und auch zu überlegen, wie viel Bedarf habe ich jetzt denn noch an den unterschiedlichen Räumen? Nehmen Sie den Hörsaal her: Wir haben ja von den 200er Hörsälen bis hoch zum Audimax mit 900 Plätzen haben wir ja jede Menge unterschiedlicher Größen. Es wird auch künftig, so gehe ich zumindest davon aus, zum gewissen Teil den Bedarf an einem klassischen Hörsaal geben, auch für zum Teil externe Veranstaltungen. Aber der Umfang, der ist natürlich, ja im Zweifel eher so zu schätzen. Ich kann es im Moment nicht sagen. Wir werden wahrscheinlich beobachten, dass wir mehr in Multifunktionsräume gehen müssen. Das heißt, dass einfach Räume in unterschiedlichen Szenarien genutzt werden können. Aber der Umfang, das ist offen. Das heißt, was wir machen können, im Grunde genommen, wir können nach bestem Wissen und Gewissen Prognosen anstellen. Ob sie dann zutreffen, werden wir später erst herausfinden, muss man deutlich so sagen. Aber noch mal: Die Chance ist jetzt. Nicht nur, dass wir die bestehenden Räume entsprechend nachrüsten, sondern dass wir die neu zu bauenden, und der Himbeerpalast ist ein Beispiel, auch entsprechend von vornherein mit einplanen. Der Himbeerpalast, die Glasfassade, das ist ja der Teil, der die Bibliothek betrifft. Auch das muss man, glaube ich, auch in dem Kontext mitdenken: Die Bibliothek war immer schon der bevorzugte Lernort für viele Studierende und nach meiner Ansicht wird es auch so bleiben. Das wird aber nicht klassischerweise eine Bibliothek sein, die sich über die Bücher definiert, sondern da kommen andere Funktionen mit hinzu. Das weiß Frau Hetzner glaub ich wesentlich besser.

SH: Genau, das habe ich vorhin nicht erwähnt, aber es ist auch ganz wichtig zu sagen: Die Bibliothek war natürlich auch ein ganz wichtiger Partner in der Arbeit von der AG. Herr Ammon war als Vertreter der Bibliothek mit dabei. Er hat genau auch diesen Input mitgebracht: die Bibliothek der Zukunft ist nicht einfach ein Ort, wo ich ein Buch ausleihe oder bearbeite, sondern auch das Digitale muss Einzug finden in der Bibliothek. Das heißt, diese Zonierungskonzepte, die wir hier schon skizziert haben insgesamt, die werden ganz speziell auch für die Bibliothek mit bedacht. Wir werden diesen stillen Raum weiterhin brauchen. Aber i dem stillen Raum mussten wir jetzt die digitale Ebene auch mit einbeziehen. Das heißt, da muss natürlich die IT-Infrastruktur da sein, aber auch die Möglichkeit, dass zum Beispiel Lernkabinen, die schallisoliert sind oder weitestgehend oder gedämmt sind, dass jemand dann auch dort zum Beispiel an einer Online Veranstaltung teilnehmen kann. Das heißt, die Bibliothek wird einfach als Zentrum des Lernens einfach ganz, ganz wichtig auch in der Zukunft bleiben.

DP: Ja, es ist total spannend, dass wir jetzt über die Bibliothek sprechen, die ja ein so multifunktionale Raum auch sein kann. Wenn ich so an meine eigene Studienzeit nämlich zurückdenke, dann fällt mir die Bibliothek ein, als der Raum, der zwar sehr schön und neu war. Es war nicht an der FAU wo ich studiert habe, aber es war ein neues Gebäude. Trotzdem gab es in den letzten Ecken und Enden keinen so guten WLAN Zugang. Und trotzdem waren die Lernkabinen, die Sie, Frau Hetzner, bereits erwähnt haben, also so dermaßen wenig ausgestattet. Das ist ein wahrlicher Kampf war, eine dieser Kabinen für eine von Gruppen-Projekt buchen zu können. Und wenn wir dann so in die Zukunft blicken, was wir an der FAU gerne sehen würden. Die Planung ist natürlich schwierig, Herr Zens, haben Sie gesagt. Wir können mehr oder weniger bloß educated guesses machen, was wir brauchen werden. Aber vielleicht können wir das ein bisschen vertiefen, weil wenn ich mir denke, wir planen jetzt für Menschen, die in 8, 10 oder noch mehr Jahren an die FAU kommen. Worauf basieren denn unsere Annahmen?

CZ: Na ja, wir haben ja genau deswegen die Arbeitsgruppe auch ins Leben gerufen, um diese Annahmen etwas zu stabilisieren und mal so zu sagen. Die Annahmen basieren aus meiner Sicht jetzt aus den Erfahrungen der letzten zwei Jahre und das, was wir hier gelernt haben, die basieren aber auch auf der Entwicklung, die wir vorher schon ein bisschen gehabt haben. Wir haben auch vor der Pandemie nicht im Grunde genommen mit Null, gerade was die Digitalisierung betrifft, gearbeitet. Frau Bedenlier, als Expertin dazu ist ja auch mit genau mit dem Thema hier Professorin geworden und kann da auch auf die Tradition in dem ganzen Bereich von Herrn Professor Kammerl zurückblicken. Das heißt, wir haben uns ja inhaltlich schon wissenschaftlich lange damit beschäftigt. Was jetzt so ein bisschen gefehlt hat aus meiner Warte, war die Verknüpfung zur Infrastruktur, zur Bauseite. Und es ist nicht nur die Bauchseite, sondern wir werden uns auch überlegen müssen, wie wirtschaften wir diese Flächen künftig? Es ist ja nicht einfach damit getan, dass ich sage, ich stelle die Räume zur Verfügung, sondern ich muss dazu auch ein entsprechendes Buchungssystem, zum Beispiel mit implementieren.

Dann müssen Sie zum Beispiel in eine Bibliothek dann auch die Möglichkeit haben, aus meiner Sicht zumindest, dass Sie bestimmte Räume für bestimmte Aufgaben auch buchen können. Solche Systeme gibt es am Markt. Die beziehen sich hauptsächlich auf Arbeitsplatz Buchungen, also Coworking Spaces in dem Bereich –  ist ein eigenes Thema wie wir heute nicht, darüber – aber auch gerade was die, die die Auslastung der Seminare und Hörsaal Gebäude betrifft, hatten wir ja vorher schon über die Jahre viel Erfahrung gemacht. Und da nun mal als Beispiel Ich habe letztes Jahr mal angefragt bei meinen Kolleginnen, wie ist denn die Auslastung unserer Hörsäle und Seminarräume jetzt zurzeit? Und ich glaube, auch da hat sich schon gezeigt, dass es deutliches Optimierungspotenzial gibt. In der Kernzeit von 8 bis 20 Uhr haben wir in Erlangen im Stadtzentrum um die 55 Prozent, mit Ausnahme des Audimax, der bei 91 Prozent liegt. Alle anderen sind in der Richtung nicht komplett ausgelastet. Da muss man sehen, ob es da Möglichkeiten gibt, auch eine intelligente Gestaltung der Nutzungsmöglichkeiten, dass man da zu einer besseren Auslastung kommt. Und ich muss auch nicht in jedem Seminarraum jede Technik installieren. Auch da wird man sich aus meiner Sicht die Gedanken machen müssen. Kann man nicht bestimmte, besonders ausgestattete Seminar- oder Vorlesungsräume dann nutzen fakultätsübergreifend? Wenn Sie so wollen, auch ein bisschen standortübergreifend. Deswegen ist jetzt unter anderem die Erziehungswissenschaften im Nürnberger Norden für uns so interessant, weil die Verbindung mit der künftigen Stadt-Umland-Bahn es durchaus auch erlauben würde, das Erlangerinnen und Erlangen nach Nürnberg fahren oder umgekehrt ebenfalls. Man muss also hier nicht alles im Stadtzentrum isoliert dann vorhalten, dass man kann auch dann vielleicht das eine oder andere im Südgelände machen. Das sind so die groben Überlegungen sozusagen, die wir jetzt hier gemacht haben. Und verfeinern tun wir das jetzt direkt anhand der Pläne, zum Beispiel beim Himbeerpalast. Das ist ja auch ein Versuch, so ein bisschen: Das ist ja die Zusammenführung von rund 20 Teilbibliotheken, die in der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie jetzt hier verstreut vorhanden sind. Kleinst-Bibliotheken, die wir jetzt hier auf einer großen Fläche zusammenführen und dann eben auch diese Möglichkeiten des kollaborativen oder auch stillen Arbeitens ermöglichen wollen. Da vielleicht mal kleine Geschichte am Rande: Das war nicht ganz so einfach in München dann auch zu platzieren. Ich habe mit der Bibliotheksleiterin, der Frau Dr. Söllner doch ein bisschen kämpfen müssen, dass wir dann die Flächen auch entsprechend groß in Himbeerpalast einplanen, dass wir genau diese Möglichkeiten haben. Das ist dann auch glücklicherweise bewilligt worden. Und jetzt muss man halt in die Detailplanung gehen.

SH: Vielleicht zu der Annahme nur eine kleine Ergänzung von meiner Seite: Also wir haben zu einem den Aspekt, wie Lehre sich insgesamt, Lehre, die wir kennen, wie sie sich verändern wird. Aber Hochschule insgesamt wird sich auch verändern und hat sich auch schon bereits verändert. Natürlich durch die Pandemie. Wir sind zum Beispiel als ILI in einigen internationalen Netzwerken involviert. Ich bin zum Beispiel bei der Medien Planning, da arbeiten wir eng mit Kollegen, zum Beispiel mit MIT, Oxford – es sind wirklich auch sehr renommierte Universitäten mit dabei. Und was Sie sehen, ist, es wird auch eine Globalisierung in der Hochschule einfach stattfinden. Und die Hochschulen haben jetzt entdeckt, dass ihre Reichweite auch durch das Digitale weltweit vernetzt sein kann. Und es wird genau investiert in diesem Bereich, vor allem in dem Bereich Master oder insgesamt für das Thema Lebenslanges Lernen. Sehen wir hier, dass ganz viele Konzepte gibt der Digitalisierung. Das finden natürlich zunächst eher online statt, aber diese Menschen werden teilweise auch an die Hochschule kommen, für bestimmte Zeiten. Sie werden nicht kontinuierlich dabei sein, aber bestimmte Phasen eines Studiums dann doch an der Universität haben. Und auch für dieses Thema, diese Öffnung der Universität im internationalen Kontext, aber auch für neue Zielgruppen muss mitgedacht werden. Und ja, und wir nehmen einfach an, dass hier viele Studierendenzahlen steigen werden. Das einfach eine Entwicklung, die schon heute zu sehen ist.

CZ: Auf einen Punkt möchte ich noch hinweisen, weil die Studierenden gerade erwähnt sind. Das ist mir auch extrem wichtig. Sie haben ja vorhin gefragt. Wir planen jetzt im Grunde genommen auf den Horizont, ich sage jetzt mal bis zum Ende des Jahrzehnts. Das heißt, die Studierenden, die heute da sind, die Generation, die werden davon, von diesen neuen Gebäuden jedenfalls, noch nichts haben. Und die nächste Generation ganz offensichtlich auch noch nicht. Aber nichtsdestotrotz: Wir haben eine sehr gute Erfahrung gemacht, die Studierenden dennoch einzubinden. Und die waren auch sehr, sehr bereit mitzuarbeiten, auch in der AG oder auch in anderen Planungskontexten wie mit dem Himbeerpalast und dem Hörsaalzentrum. Die studentische Perspektive ist uns natürlich sehr sehr wichtig bei dem Ganzen und da kommt denke ich mal deutlich positiver Input. Und dass dieses Engagement so groß ist, das kann man den Studierenden nicht hoch genug anrechnen.

SH: Und das waren vielleicht auch die Studierenden, die immer auch ganz, ganz stark auf das Thema dieser soziale Raum einfach hingewiesen haben. Also die haben einfach berichtet, was ihnen gefehlt hat in der Pandemie Zeit. Und es hat zum Beispiel genau dieser Austausch vor und nach der Veranstaltung, dass man einfach sich sehr informell trifft und fragt, hast du das verstanden oder hast du noch weitere Informationen zu dem Thema?, oder man bekommt vielleicht noch einen Tipp, wo bestimmte Inhalte noch genauer beschrieben sind. Und deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass wir wissen, dass der Campus auch ein Ort des sich treffen und Miteinander einfach gemeinsam planen.

DP: Super spannend. Wir sehen ja schon, es geht nicht nur um den Hörsaal, es geht hinaus ins Gebäude, es geht über die Städte nach Erlangen, Nürnberg, die verknüpft werden, es geht über Ländergrenzen, es geht über Generationen. Wir sehen ja schon, wie viel hinter dem Thema digitale Lehre dann auch steckt. Deshalb freue ich mich besonders, dass Sie Herr Zens, und Sie Frau Hetzner, mir heute ein bisschen erklären konnten, welche Aspekte denn alle einfließen in die Gebäude, die wir in fünf, zehn, 15 Jahren haben werden. Und ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch.

CZ: Wenn Sie mir erlauben, dann würde ich gerne noch einen kleinen Werbeblock mit einstreuen. Sie haben ja eingangs den richtigen Begriff gewählt. Es geht nicht nur um die Hörsaalinfrastruktur, es geht um die Campusentwicklung. Frau Hetzner hat es ebenfalls aufgegriffen. Und die Campusentwicklung ist jetzt nicht nur Teil unseres neuen Hochschulentwicklungsplan, sondern das ist uns einfach ein riesen Anliegen, dass wir diese richtig großen Baumaßnahmen, die wir jetzt vorhaben, auch dazu nutzen, um nicht nur neue Gebäude für die alten hinzustellen, sondern tatsächlich auch die Infrastruktur insgesamt, die Campusentwicklung, mit in den Fokus zu nehmen. Und das ist einer der Aspekte. Bei der Campus Entwicklung sind alle Mitglieder der FAU herzlich eingeladen sich aktiv mit zu beteiligen. Wir werden dazu auch in Kürze eine entsprechende Webseite haben. Wir werden dann auch entsprechend ein Format finden, wo man sich dann austauschen kann. Alle Ideen sind herzlich willkommen und. Es ist insbesondere denke ich mir wichtig, dass wir hier standortübergreifend denken. Das betrifft Nürnberg, das betrifft Fürth und betrifft natürlich auch Erlangen mit den zwei großen Standorten Zentrum und Südgelände.

DP: Es kommt also einiges auf uns zu und die Möglichkeit sich einzubringen. Ich bin mir sicher, das wird dann zu gegebener Zeit kommuniziert, wie es sich Beschäftigte, wie sich Studierende, wie sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbringen können.

CZ: Das wird in Kürze der Fall sein.

DP: Wunderbar. Wir bleiben gespannt.

SH: Ja, vielen Dank.

DP: Ich danke Ihnen.

CZ: Ich danke Ihnen.

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