Podcast: So planen wir das zukünftige Gesicht der FAU

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2030 wird die FAU ein ganz anderes Gesicht haben. Damit das funktioniert, wird gerade baulich sehr viel in die Wege geleitet. Dabei sollen die neuen und sanierten Gebäude näher zusammenrücken, verbunden werden und mehr in den Stadtbildern verankert sein – so, dass ein Campusgefühl entsteht. Aber warum strebt die FAU eine Campusentwicklung an? Wie soll das funktionieren, wo sie doch auf so viele Standorte verteilt ist? Und welche Rolle spielen die Beschäftigten und Studierenden der FAU in diesem Entwicklungsprozess? Darüber spricht Johanna Hojer von der Stabsstelle Presse und Kommunikation mit Kanzler Christian Zens.  

Transkript

Auf ein Wort: Der Kanzler Podcast mit Christian Zens

Folge 5 „Campusentwicklung: So planen wir das zukünftige Gesicht der FAU “

Johanna Hojer: 2030 hat die FAU ein ganz anderes Gesicht. Wir haben ein neues Zentrum der Geistes- und Sozialwissenschaften mit dem Himbeerpalast und dem Hörsaalzentrum in der Henkestraße. Die historischen Gebäude in der Erlanger Innenstadt wie das Schloss oder das Kollegienhaus genauso wie die Zentralbibliothek oder die Anatomie sind frisch saniert. Der Masterplan für das Südgelände ist abgeschlossen und damit sind die Naturwissenschaftliche und die Technische Fakultät Teil des Hightech-Campus. Die Lehrerinnen- und Lehrerbildung ist in einen neuen Bestellbau im Nürnberger Norden umgezogen und die WiSo ist fertig saniert.

Ganz schön viel. Bis 2030 hat sich die FAU also verändert. Sie ist örtlich näher zusammengerückt, hat an den Standorten Erlanger Zentrum, Hightech Campus und Nürnberg viele Gebäude saniert oder neu gebaut und bezogen.

Damit die FAU 2030 dieses neue Gesicht hat, wird gerade sehr viel in die Wege geleitet. Darüber, wie sich die Standorte der FAU in den nächsten Jahren entwickeln werden, spreche ich heute mit Kanzler Christian Zens. Hallo, schön, dass Sie bei mir sind.

Christian Zens: Schönen guten Tag.

 Johanna Hojer: Wenn Sie von Standortentwicklung sprechen, dann sprechen Sie eigentlich immer von Campusentwicklung. Einen Campus im klassischen Sinn wird die FAU mit ihren vielen Standorten aber gar nicht haben können. Was meinen Sie denn, wenn Sie von Campusentwicklung sprechen?

Christian Zens: Das ist eine sehr berechtigte Frage. Wenn wir landläufig über Campus reden, haben wir vielleicht – um das nähere Umfeld zu betrachten – die Universität Regensburg etwa vor unserem geistigen Auge, die ja vor den Toren der Stadt komplett neu gebaut wurde und wo alles auch in einem räumlich zusammengefassten Gebiet ist. Sie haben recht, so wird die FAU in Erlangen und Nürnberg nie aussehen und so wollen wir auch gar nicht aussehen.

Aber ich gehe davon aus, dass Campus auch im Grunde genommen eine Art von Emotion transportieren soll. Es geht doch darum, zu erkennen sowohl für unsere Studierenden als auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass wir Teil der FAU sind, dass es auch nach außen sichtbar wird im Stadtbild, in den Stadtbildern muss ich ja sagen. Und dass wir, das ist der Teil Infrastruktur, diese unterschiedlichen Standorte, so wie wir sie haben, auch miteinander vernetzen, sodass ein Austausch möglich wird und vielleicht sogar Vorteile bringt.

Johanna Hojer: Wenn Sie sagen vernetzen, was könnte das dann zum Beispiel sein? Diese einzelnen Standorte näher zusammenzubringen, wenn nicht örtlich, dann durch Strukturen drum herum?

Christian Zens: Also ich mache mal ein Beispiel: Ich glaube, da ist es am eindeutigsten und einleuchtend. Sie haben erwähnt, wir bekommen für die Erziehungswissenschaften im Nürnberger Norden einen sogenannten Bestellbau. Hier wird alles, was zurzeit am Campus Regensburger Straße in Nürnberg ist, komplett neu gebaut. Aber nicht nur für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung, sondern letztendlich dann auch mit einer Infrastruktur, die durchaus aus meiner Sicht auch von anderen Teilen, von anderen Fakultäten, von anderen Studierenden genutzt werden können.

Um es mal deutlich zu machen: Wir haben unter anderem eine sehr ausgeprägte Bühnen-Infrastruktur geplant. Diese Bühnen, die jetzt primär natürlich für die Ausbildung Musikpädagogik genutzt wird oder auch für Aufführungen, können aus meiner Sicht selbstverständlich auch für bestimmte Zwecke von anderen Fakultäten, von anderen Departments genutzt werden. Das gleiche haben wir im Grunde genommen auch beim Austausch zwischen den Erziehungswissenschaften in Nürnberg und der Fachdidaktik in Erlangen. Hier wird es also mehr Bewegung geben, hier wird man sich untereinander austauschen und sich möglicherweise dann auch in der Stadt-Umland-Bahn begegnen.

Johanna Hojer: Das wäre auch gleich eine nächste Frage gewesen. Stadt-Umland-Bahn spielt dann ja wahrscheinlich auch eine Rolle. Hoffen wir mal, dass sie zeitgleich fertig wird, wenn wir unsere Gebäude alle bezogen haben.

Christian Zens: Gegenwärtig sieht es noch so aus. Der Terminplan für die Stadt-Umland-Bahn deckt sich nicht ganz, aber in Teilen mit den Neubauvorhaben, die wir jetzt bis zum Ende des Jahrzehnts umgesetzt haben werden. Wir gehen aber auch davon aus, dass der Bau für die Erziehungswissenschaften, damit hier keine Panik am anderen Ende entsteht, wesentlich früher fertig sein wird.

Johanna Hojer: Da freuen sich dann bestimmt, wenn Sie umziehen dürfen. Warum möchten Sie denn die Konzentrierung auf einen Campus?

Christian Zens: … auf mehreren Teilflächen.  Ich habe es eingangs gesagt, ich möchte ein Universitäts-Gefühl generieren. Viele von uns haben studiert und viele von uns kennen andere Studienorte, die ganz unterschiedliche Geschichten haben, die ganz unterschiedliche Voraussetzungen haben. Und es gibt immer wieder, wenn man sich am Abend am Biertisch mal mit anderen unterhält, so die Frage „Wo hast du den studiert und was hat dir denn da gefallen? Worin unterscheidet sich die Stadt Erlangen oder Nürnberg von anderen Standorten?“. Häufig hört man da zum Beispiel Tübingen als eines der klassischen Beispiele.

Johanna Hojer: Da war ich neulich erst und es war so traumhaft, dass ich mir dachte, ich müsste noch mal studieren.

Christian Zens: Genau. In Tübingen gibt es ein geflügeltes Wort. Ich weiß gar nicht, ob ich es schon mal erwähnt habe. Der ehemalige Rektor der Universität Tübingen hat berichtet von einem Gastwissenschaftler aus Japan, der zum Abschied gesagt hat, Tübingen sei die einzige Universität, die sich eine Stadt auf ihrem Campus leiste. Soweit werden wir hier in Erlangen vielleicht nicht kommen, aber es muss deutlicher werden, auch im Stadtbild deutlicher werden, dass nicht nur auf dem Ortschild „Universitätsstadt Erlangen“ steht, sondern dass auch eine Universitätsstadt drin ist.

Johanna Hojer: Ja, da klang jetzt schon mit, dass die FAU verbunden sein soll, mit der Stadt oder auch in der Stadt sichtbarer sein soll. Wie möchten Sie das denn bewerkstelligen? Ist das in den jetzigen Plänen schon berücksichtigt? Und was sind zum Beispiel Maßnahmen, die man ergreifen kann?

Christian Zens: Also zum einen werden die jetzt von Ihnen aufgezählten neuen Gebäude für sich sprechen. Der Himbeerpalast ist jetzt natürlich eines der ganz großen Vorhaben im Erlanger Zentrum und wird ergänzt durch das von Ihnen angesprochene Hörsaalzentrum. Dieses Hörsaalzentrum ist im Architekturwettbewerb auch unter dem Gesichtspunkt ausgewählt worden, dass es ein deutlich sichtbares, markantes Bauwerk sein wird in der Mitte der Stadt, wo man sieht, da ist keine Versicherung drin. Nichts gegen Versicherungen, aber da ist die Wissenschaft zu Hause, da ist die FAU zu Hause. Das ist der eine Punkt. Das heißt also Sichtbarkeit bzw. Landmarken, wenn Sie so wollen, durch die einzelnen Gebäude.

Und das andere ist auch durch entsprechende Hinweise, die wir haben, zum Beispiel durch Beschilderung. Wenn ich jetzt zum Beispiel entlang der Universitätsstraße fahre mit dem Fahrrad – ist ja jetzt Fahrradstraße – sehe ich sicher, viele historische Gebäude zum Teil auch neue Gebäude. Ich habe auf der rechten Seite die alte Bibliothek, habe gleich daneben die neue Bibliothek und habe auf der anderen Seite das Kollegienhaus und die Institute. Da sieht man zwar von außen, dass es schöne Gebäude sind – leider nur von außen im Moment – aber man sieht ja nicht, was drin ist. Jedenfalls nicht als Ortsfremder. Und da glaube ich, gibt es schon eine ganze Menge Möglichkeiten, wie man das dann auch nach außen sichtbar machen kann. Zum Beispiel, welche Art von Wissenschaft hinter den Gemäuern betrieben wird.

Johanna Hojer: Was stellen Sie sich da zum Beispiel vor? Wahrscheinlich die klassischen Schilder: Hier ist die Medizin, hier ist die Zentralbibliothek. Aber gibt es noch andere Möglichkeiten? Die Flaggen wären ja auf jeden Fall schon da, aber das sind ja schon bestehende Maßnahmen.

Christian Zens: Also da bin ich ja auf die Kreativität der Kolleginnen und Kollegen angewiesen. Ich habe hier ein paar Ideen ins Spiel gebracht, die wir jetzt auch sukzessive umsetzen werden, insbesondere auch schon im Baugeschehen. Das können wir gerne noch mal vertiefen.

Eine Möglichkeit sind zum Beispiel klassische größere Stelen, womit ich dann nicht nur an einer kleinen Plakette am Eingangstor feststellen kann, was sich dahinter verbirgt, sondern dann schon auch etwas vorgelagert im öffentlichen Raum darauf hinweisen kann, wer sich in diesem Gebäude dann tatsächlich auch befindet.

Aber auch in der Bauphase können wir für mehr Sichtbarkeit sorgen. Wir haben deutlich mehr als ein halbes Dutzend große Gebäude in den nächsten Jahren in der Sanierung. Da schwebt uns vor, dass wir allein über die Gerüste, die dann natürlich auch gebraucht werden, großflächig Banner spannen, um der Öffentlichkeit auch zu zeigen, dass sich was tut und vor allen Dingen, welche Art von Gebäuden für welche Art von Nutzungen gebaut werden. Und da hoffe ich, dass das so kreativ wie möglich umgesetzt wird.

Johanna Hojer: Also quasi jetzt schon, bevor die Bauphase anfängt oder wenn die Bauphase anfängt, den Leuten zeigen, dahin kommt die FAU.

Christian Zens: Genau.

Johanna Hojer: Sie haben gesagt, Sie wünschen sich den Input von den Beschäftigten, von den Studierenden und von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der FAU. Dafür soll es ja die Plattform FAU-Community geben, wo die Beschäftigten, Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Ideen einbringen können. Wenn Sie jetzt sagen könnten, welchen Input Sie gerne hätten, was würden Sie da sagen? Oder welche Richtungen können Sie sich vorstellen, wo unbedingt Beteiligung notwendig ist mit Ideen?

Christian Zens: Also da gibt es eine ganze Reihe. Ich werde hier nur ein paar Punkte anreißen.

Ich glaube, es wäre dann auch günstig und vernünftig auf unserer zentralen Webseite – wo wir die ganzen Baugeschehen dann im Grunde genommen auch aufbereiten wollen – für alle, die es nachlesen wollen, konkrete Stichpunkte geben. Hier ist ja in Kürze dann wohl der Link zur Community verfügbar, wo man dann tatsächlich in Interaktion treten kann.

Aber mir schwebt zum Beispiel vor, Anregungen, Hinweise, Empfehlungen gerade auch aus der Studierendenschaft mitaufzunehmen. Was benötige oder was wünsche ich mir denn als Studierende oder als Studierender, um nicht nur die Institutsgebäude oder die Bibliothek von innen zu sehen, sondern auch, um das Umfeld entsprechend zu gestalten oder die Qualität zu erhöhen?

Und da haben wir unterschiedliche Fokus. Wir haben auch den Himbeerpalast erwähnt, der wird weit über 7.000 Studierende betreffen und hunderte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hier haben wir einmal von der Infrastruktur her eine große Neuerung mit drin. Es kommt ja eine Bibliothek mit über 10.000 Quadratmetern Fläche dazu und die wird zum ersten Mal alle Teilbibliotheken der Philosophischen Fakultät und des Fachbereichs Theologie zusammenfassen, was bisher nicht der Fall war. Wir haben 26 Teilbibliotheken. Hier ist also die Chance da, für wesentlich mehr Interaktion, auch für wesentlich mehr Begegnung zu sorgen.

Aber es soll ja nicht nur die Bibliothek sein als solches, sondern es sollte auch das Umfeld sein. Und da vielleicht nur, weil sie den Himbeerpalast ja auch schon mal präsentiert haben: Der Siegerentwurf aus dem Architekturwettbewerb ist unter anderem genau deswegen als solcher ausgewählt worden, weil er das Potenzial hat, auch zusätzliche Begegnungsstätten zu schaffen. Das allein wird es aber nicht sein. Da bin ich gespannt, welche anderen Ideen es gibt, was man noch machen könnte, um den Aufenthaltscharakter der Gebäude zu erhöhen. Wo wir dann vielleicht aber auch auf die Stadtverwaltung oder auf die ein oder andere Privatperson zugehen müssen, die uns da unterstütze kann, um das Umfeld entsprechend besser zu gestalten.

Am Südgelände zum Beispiel haben wir die zusätzliche Situation. Hier haben wir auch relativ viele Wohnheimplätze und da bietet es sich aus meiner Sicht an, es liegt auf der Hand, dass wir da auch die Aufenthaltsqualität jenseits des bloßen Betriebs deutlich steigern.

Johanna Hojer: Zum Studieren gehört halt nicht nur die Uni, sondern auch das Umfeld, wie man lebt, wo man sich aufhält. Sie haben im FAU Dialog ja erwähnt, dass Sie von Studierenden angesprochen wurden oder dass Ihnen berichtet wurde, dass Studierende Erlangen zum Beispiel jetzt als Wissenschaftsstadt wahrnehmen, aber nicht als Studierendenstadt.

Christian Zens: Genau, das war tatsächlich ein Zitat, so wie Sie es jetzt wiedergegeben haben. Und das hat mir schon zu denken gegeben, weil ich jetzt vielleicht noch mit etwas anderen Augen durch die Stadt gehe und sehe, dass sich Erlangen da tatsächlich nicht unbedingt im positiven Sinne von anderen klassischen Universitätsstädten unterscheidet. Und da können wir, glaube ich, schon einiges noch nachholen, um aus der Wissenschaftsstadt auch eine Universitätsstadt zu machen.

Johanna Hojer: Und genau für diese Punkte bräuchten sie dann wahrscheinlich wirklich dringend die Unterstützung von den Studierenden. Nur die können vermutlich sagen, wie sich eine Studierendenstadt wirklich anfühlt.

Auch das Gemeinschaftsgefühl, was Sie vorhin angesprochen haben mit den Bibliotheken, dass es mehr Austausch gibt, sowohl in Forschung als auch vielleicht unter den Studierenden, wird sehr wertvoll sein. Um aber diesen gemeinschaftlichen Austausch zu schaffen, muss man vermutlich auch gemeinsam daran arbeiten oder gemeinsam Wege finden, wie man diesen Austausch fördern kann.

Christian Zens: Genauso ist es. Betrifft natürlich auch die größte Gruppe bei uns, die Studierenden, betrifft aber auch die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auch das wissenschaftsstützende Personal.

Und da gibt es durchaus, jetzt subjektiv, aus meiner Sicht, die Beobachtung, dass die räumliche Nähe auch den wissenschaftlichen Austausch sehr stark befördert. Deswegen bin ich zum Beispiel sehr gespannt auf das Ergebnis eines Pilotprojekts, was wir zurzeit umsetzen mit den drei neuen Departments, die jetzt aus der Hightech Agenda gegründet worden sind,

dem AIBE (Artificial Intelligence in Biomedical Engineering), dem DHSS (Department Digital Humanities und Social Studies) und dem DDS (Department Data Science), die zusammen in einem Objekt unterkommen sollen. Drei Departments aus drei unterschiedlichen Fakultäten, die die Aufgabe auch mit großem Enthusiasmus aufgegriffen haben, in dem Gebäude dann tatsächlich auch ihre neue Heimat zu finden und jetzt daran arbeiten, wie sie eine Kollaboration mit dieser Interaktion und dem wissenschaftlichen Austausch neu denken können.

Das ist toll. Und da denke ich mal, da gibt es auch noch unheimlich viel zu lernen und viel Potenzial für die Weiterentwicklung.

Da haben wir hoffentlich dann auch gegen Ende des Jahrzehnts die ganzen Möglichkeiten auf dem jetzt noch sogenannten Siemens Campus, den wir erwerben wollen.

Johanna Hojer: Ja, das wird auf jeden Fall Interdisziplinarität fördern, weil man dann zusammen mit den Kollegen und Kolleginnen aus anderen Bereichen im Flur steht oder in der Küche steht oder wo auch immer.

Es werden ja ein paar Gebäude saniert, ein paar Gebäude werden neu gebaut. Und das aktuellste Beispiel war ja das Hörsaalzentrum in der Henkestraße. Da wurde Ende März das Ergebnis des Architekturwettbewerbs bekanntgegeben und da konnte man schon die ersten schönen Bilder sehen, was da so entstehen wird. Ich habe mich dann gefragt, wie das eigentlich abläuft. Also können Sie, wenn Sie diesen Wettbewerb ausschreiben, sagen „Ich hätte gerne ein Gebäude, in dem möglichst viel Platz für Begegnung ist, in dem aber gleichzeitig so und so viele Studierende untergebracht werden müssen.“ Welche Kriterien, außer die offiziell baulichen sozusagen, kann man an die Nutzung stellen? Und wie setzen die Architektinnen und Architekten das dann um? Wie lange haben die Zeit dafür? Ohne jetzt sozusagen auf die einzelnen Verfahrensschritte konkret oder komplett einzugehen

Christian Zens: Der Architekturwettbewerb ist im Grunde genommen ein Instrumentarium, wo man Ideen sammeln möchte, um seine eigenen Wünsche, Bedarfe umsetzen zu können.

Und das Ganze hat natürlich einen sehr starken städtebaulichen Charakter, ist ganz klar, das sind exponierte Gebäude. Deswegen haben wir das bisher zweimal gemacht, nämlich einmal beim Himbeerpalast, wegen seiner Bedeutung und seiner Größe in der Stadt und für das Hörsaalzentrum. Das Ganze wird ausgelobt vom Staatlichen Bauamt Erlangen Nürnberg und ist relativ formalisiert. Es gibt dann dazu ein Preisgericht, die setzen sich letztendlich zusammen aus Fachpreisrichtern und Sachpreisrichtern. Hier gibt es eine Mischung zwischen Expertinnen und Experten, also Architektinnen und Architekten auf der einen Seite, und die Sachpreisrichter und auf der anderen Seite, also Vertreterinnen und Vertreter der Nutzer. Hier waren die Fakultäten, die zentrale Universitätsverwaltung und die Universitätsleitung miteingebunden – also auf der Ebene der Sachpreisrichter. Wir hatten also volles Mitspracherecht.

Wir haben aber nicht bei null begonnen. Das heißt, man gibt jetzt hier kein weißes Blatt Papier raus, sondern da ist im Vorfeld und im Hintergrund schon extrem viel Arbeit zu leisten.

Wir geben sehr stark vor, was das für uns bedeutet, welche Anforderungen wir haben. Wir geben vor, welche Art von Hörsälen wir benötigen, in welcher Größe, in welcher Anzahl. Wir geben vor, welche Institute gegebenenfalls oder Teile der Verwaltung unterkommen müssen. Mit Quadratmeter zahlen, so wie man es klassischerweise kennt bei normalen Bauvorhaben. All das muss vorher schon sozusagen den Wettbewerbsteilnehmern offengelegt werden und sie müssen sich anhand dieser Werte, die wir ihnen liefern, und diesen Vorstellungen architektonisch mit dieser Fragestellung auseinandersetzen.

Was nicht vorgegeben wird in aller Regel, das ist natürlich das, wie es dann tatsächlich eingepasst werden kann in die Umgebung, wie jetzt zum Beispiel beim Hörsaalzentrum. Aber es müssen bestimmte Raumquantitäten tatsächlich dann auch abgebildet werden.

Johanna Hojer: Ich bin mir nicht sicher, ob das beim Hörsaalzentrum war oder beim Himbeerpalast. Aber irgendwo hat ja der Gewinnerentwurf auch deswegen gewonnen, weil er so schön die informelle Fläche sozusagen gegeben hat, den informellen Ort des Austausches, in dem es den Innenhof erhalten hat. Das war der…

Christian Zens: … der Himbeerpalast. Aber das ist ja letztendlich eine Erkenntnis, im Wesentlichen jetzt. Wie soll man sagen, wir haben den Turbo gezündet, sage ich mal so in der Pandemie Zeit. Wir haben eben festgestellt, wir können nicht mehr wie vor der Pandemie. Wir haben das ja in einem anderen Kontext schon erörtert, die klassischen Hörsaalflächen, Institutsflächen oder Büroflächen können wir nicht mehr planen, wie wir sie bisher immer hatten, sondern es ist einfach eine neue Lehr- und Lerninfrastruktur erforderlich. Das war vor Corona schon so. Es war nicht neu, aber es ist jetzt bei uns der Turbo gezündet worden.

Wir haben gesehen, durch die Verknüpfung von Präsenz- und Onlinephasen, dass ein anderes Austauschformat notwendig ist. Da haben wir uns dann die Spezialistinnen und Spezialisten unseres ILI mit ins Boot geholt und andere, die gerade jetzt in der Didaktik sich da intensiv mit ausgetauscht haben. Und wir haben festgestellt, bei allem, was wir jetzt neu bauen, alles, was wir im Grunde neu brauchen, werden wir solche Aspekte mitdenken müssen. Das haben wir auch im Hörsaalzentrum. Das, was Sie jetzt hier als Referenz genannt haben, war der Himmelpalast.

Aber das trifft genauso auf das Hörsaalzentrum zu und es wird auch die anderen Gebäude in ähnlicher Art und Weise treffen. Man wird hier künftig eine andere Sortierung haben zwischen reinen Arbeitsflächen und reinen Freizeitflächen wie der Cafeteria zum Beispiel. Man wird dann Mischformen haben und ich glaube, das wird auch die Zukunft der universitären Infrastruktur sein.

Johanna Hojer:  Ja, dann haben Sie mir jetzt schon die perfekte Überleitung gegeben für unseren Schluss. Ich hätte nämlich noch darauf hingewiesen, dass wir schon in den zwei vorherigen Podcastfolgen über ein ähnliches Thema oder über einen ähnlichen Aspekt der Campusentwicklung gesprochen haben, und zwar „Digitale Räume und Lehre an der FAU“. Da hatten wir damals sogar unsere Gästin mit dabei. Und die Folge davor „Himbeerpalast. Werden unsere Hörsäle und Büros in Zukunft ganz anders ausschauen?“. Wenn sich noch jemand weiter mit dem Thema auseinandersetzen will, findet er die Beiträge auf fau.tv und wenn es ganz grundsätzlich noch mehr Infos zu den Standortentwicklungssachen bedarf oder wenn die Leute mal einen ersten Blick auf die Gebäude werfen wollen, über die wir jetzt gesprochen haben, dann können Sie auf der Standortentwicklungs- Website vorbeischauen. Ich danke Ihnen, Herr Zens, dass wir zusammen über die Vision der FAU gesprochen haben. Ich bin sehr gespannt, wie das Gesicht der FAU 2030 dann ausschauen wird.

Christian Zens: Ja, ich danke auch für das Gespräch. Nochmal einen ganz kleinen Werbeblock zum Schluss. Wir sitzen ja heute hier zum letzten Mal in den Räumen unserer Stabsstelle Presse und Kommunikation zur Aufnahme dieses Gesprächs. Künftig werden wir im Blauen Haus sein und da freue ich mich schon drauf, wenn wir hier die Einweihungsfeier dann demnächst auch haben werden. Und auch das ist etwas, wo sich die FAU im Kleinen verändert. Das wird sich definitiv auch in anderen Bereichen noch so abspielen.

Johanna Hojer: Dann bis zum nächsten Mal im Blauen Haus.

Christian Zens: Bis zum nächsten Mal.

Danke. Tschüss!

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