„Ich bin einfach Abenteurer“

Zwei Männer liegen in Schlafsäcken in einer Hängekonstruktion, die direkt an eine Felswand angebracht ist. Beide lachen in die Kamera.
Bei seiner mehrtägigen Route am El Capitan hat Thomas Dauser in einem sogenannten Portaledge die Nacht an der vertikalen Felswand verbracht. (Foto: Ole König).

Thomas Dauser fasziniert das Unbekannte – als Astrophysiker und Kletterer

„In der Wissenschaft über etwas nachzudenken, was noch keiner verstanden hat, und am Fels eine neue Herausforderung anzugehen, ist für mich jedes Mal ein Abenteuer.“ Dr. Thomas Dauser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Dr. Karl-Remeis-Sternwarte Bamberg, dem Astronomischen Institut der FAU. Dort arbeitet er an einem Projekt der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), mit dem Ziel, den Röntgensatelliten „Athena“ zu bauen, der unter anderem schwarze Löcher noch tiefer im Universum aufspüren kann. Als Ausgleich verbringt er viel Zeit mit seiner Leidenschaft – dem Klettern am Fels.

Vom Bürostuhl an den Fels

„Ich habe eigentlich viel zu viel Energie für einen Bürojob. Ich trainiere fünf Mal die Woche, gehe in der Fränkischen Schweiz klettern oder Mountainbike fahren. Ohne das könnte ich gar nicht so lange vor dem Computer sitzen bleiben.“ Das Klettern in der Fränkischen ist für Dauser die sportliche Herausforderung. „Das Alpine Klettern ist dagegen auch eine psychische Anstrengung.“ Vier bis fünf Wochen im Jahr ist er weltweit unterwegs, um seine Leidenschaft auszuleben. Er klettert in den Alpen, den Dolomiten, auf dem Mont Blanc, im Atlas-Gebirge in Marokko und zuletzt am El Capitan im Yosemite-Nationalpark in den USA. Um dort zum Gipfel zu gelangen, hat Thomas Dauser in vier Tagen 1000 Meter an der vertikalen Wand unter sich zurückgelassen. Die Nächte hat er auf einer Hängekonstruktion in der Wand verbracht.

Leidenschaften, die sich ergänzen

„Beim Klettern muss man sich stark fokussieren. Da ist man im Tunnel und alle anderen Gedanken sind erstmal ausgeblendet.“ Das hilft Thomas Dauser auch in der Wissenschaft. „Wenn ich vom Klettern komme, dann bin ich wieder ganz frisch im Kopf und kann klar denken.“ Daher kann er sich nicht vorstellen, eins von beiden aufzugeben – auch wenn Wissenschaft und Klettern zeitintensiv sind.

„Ich habe mit 10 Jahren angefangen zu klettern und seitdem nicht wieder aufgehört.“ Mit 16 Jahren war ihm klar, dass er Physik studieren will, weil ihn so viel an diesem Fach fasziniert. Bei der Wahl seines Studienorts spielte auch die Nähe der FAU zum Kletterparadies Fränkische Schweiz eine Rolle. Schon während seines Studiums zeigte sich, dass ihn der Bereich der Astrophysik besonders fasziniert. „Ich kann mich noch an die Astrophysikvorlesung erinnern, die hat damals mein jetziger Chef gehalten. Ich war so begeistert, weil es in der Astrophysik noch so viel Unbekanntes zu entdecken gibt.“ Nach dem Studium an der FAU folgte die Promotion: Wie schnell drehen sich schwarze Löcher? Das Klettern hat ihn auf seinem gesamten akademischen Weg begleitet, genauso wie die Schwarzen Löcher, das große Unbekannte in der Astrophysik.

Unter Profi-Kletterern

„Vor ungefähr vier Jahren habe ich ein paar Sponsoren angefragt, ob sie mich beim Klettern unterstützen wollen,“ erzählt Thomas Dauser. Inzwischen hat er vier – und bekommt von ihnen Kletterschuhe, Ausrüstung und manchmal Zuschüsse zu seinen Reisen. Dafür teilt er Bilder seiner Kletterausflüge auf Instagram, ist als Markenbotschafter am Fels oder in Kletterhallen unterwegs, nimmt an Events teil oder hilft bei Messen aus. „Durch meine Sponsoren bin ich natürlich auch in Kontakt mit anderen Profi-Kletterern. Wenn einige davon nach unseren Treffen zu ihren zweimonatigen Expeditionen aufbrechen, gehe ich zurück an meinen Schreibtisch. Aber das ist für mich auch völlig ok, die Faszination für die Wissenschaft zieht mich immer wieder zurück.“ Für Thomas Dauser ist das Klettern definitiv mehr als nur ein Hobby. Um es zu einem Beruf zu machen, müsste er jedoch die Wissenschaft aufgeben und das ist keine Option.

Sein Ziel für den kommenden Herbst ist die Route „Action Directe“ in der Fränkischen Schweiz – eine der berühmtesten Routen der Welt, da sie weltweit als erste Route mit dem Schwierigkeitsgrad 11 auf einer Skala bis 12 gilt. Nur 26 Menschen sind diese bisher geklettert. Damit er zu den wenigen gehört, trainiert er schon zwei Jahre speziell für diese Route. Beruflich arbeitet er momentan an seiner Habilitation. Sein nächstes Ziel: ein dreimonatiger Forschungsaufenthalt in Kalifornien. Dafür schreibt er gerade einen Förderantrag. „Ich verbringe natürlich viel mehr Zeit mit der Wissenschaft als mit dem Klettern, sonst schafft man es nicht, am Ball zu bleiben. Aber ich bin trotzdem sehr froh, dass beides klappt. Und ich freue mich auch nach einer anstrengenden Kletterreise wirklich mal wieder eine Weile am Computer zu sitzen!“

Porträt im Bayerischen Rundfunk

Die Sendung „Bergauf-Bergab“ im Bayerischen Rundfunk hat Thomas Dauser portraitiert.