Neue Veranstaltungsreihe will Anteil an Wissenschaftlerinnen erhöhen

Vom Vortrag zur Tat: Netzwerken unter den Studentinnen und Wissenschaftlerinnen der TF.
Vom Vortrag zur Tat: Netzwerken unter den Studentinnen und Wissenschaftlerinnen.

„WomenInScience@TF“ für mehr Frauen an der Technischen Fakultät

Die Technische Fakultät der FAU hat sich eine Erhöhung des Frauenanteils auf allen Qualifikationsstufen auf die Fahnen geschrieben. Eine der Fördermaßnahmen um dies zu erreichen, ist die neue Veranstaltungsreihe „WomenInScience@TF“.

Nächster Termin

„Karrierewege in der Wissenschaft – Wie sind diese mit Familie vereinbar?“
16. März 2023, 10 – 15:45Uhr
H11, Cauerstr. 11, Teilnahme für alle offen, Anmeldung ist erforderlich

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Gespräch mit Prof. Dr. Barbara Kappes, Fakultätsfrauenbeauftragte und stellvertretende Unifrauenbeauftragte

Wie hoch ist der Frauenanteil an der Technischen Fakultät?

Der aktuelle Frauenanteil an der Technischen Fakultät beträgt 26,6 Prozent bei den Masterstudentinnen, 26,9 Prozent bei den eingeschriebenen Doktorandinnen und 11,4 Prozent bei den Professorinnen. In den genannten Gruppen konnten wir über die letzten fünf Jahre eine langsame, aber stetige Steigerung verzeichnen. Die Steigerung bei den Professorinnen ist vor allem auf die hohe Zahl an W1-Professorinnen und damit auf Stiftungsprofessuren und auf das von Bund und Ländern getragene Tenure-Track-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (kurz: WISNA-Programm) zurückzuführen. Deutlich schlechter sehen die Zahlen hingegen im Mittelbau auf der Ebene der Postdoktorandinnen mit aktuell 18,6 Prozent und bei den verstetigten Mittelbaustellen mit 10,7 Prozent aus. Hier stagniert die Anzahl der Frauen über die letzten Jahre beziehungsweise nimmt sogar drastisch ab.

Warum entscheiden sich so wenig Frauen für ein Studium oder eine wissenschaftliche Karriere in diesem Bereich? Mit welchen Schwierigkeiten sind Frauen in Technischen Berufen konfrontiert?

Das hat vielfältige Gründe.

Bereits im Kleinkind- und Vorschulalter findet nach wie vor eine Festlegung auf bestimmte Rollenbilder statt, die zu durchbrechen es später, also bei den Schülerinnen, größter Anstrengungen bedarf. Dafür haben die NatFak und die TF das Programm MachMINT! Science made by women aufgelegt, um Schülerinnen und Schülern über die Vorstellung von weiblichen Wissenschaftlerinnen deren Einfluss auf das jeweilige Fachgebiet vor Augen zu führen. Zudem werden Bemühungen unternommen, um ein Bewusstsein für Gender Biases und gendersensible Sprache zu schaffen. Eine Sprache, die „Der Techniker“, „Der Ingenieur“ in Informationsmaterial für Studiengänge, Ausschreibungen oder auch im gängigen Sprachgebrauch verwendet, spricht eher Männer als Frauen an und hält Mädchen beziehungsweise Schülerinnen davon ab, ein bestimmtes Berufsbild für sich überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Auf der Ebene der Studentinnen gibt es je nach Fachdisziplin häufig nur wenige Frauen im Studium oder aber sie sind während der Abschlussarbeit die einzige Frau am Lehrstuhl. Das heißt, dass ihnen ein Tokenstatus zufällt. Zudem ist bekannt, dass Frauen ihre fachliche Kompetenz häufiger und stärker in Frage stellen als ihre männlichen Kommilitonen und Kollegen (Imposter-Syndrom). Darüber hinaus scheinen informelle Ausschlusskriterien wie eine stärkere Förderung von Wissenschaftlern und unbewusste geschlechtsspezifische Vorurteile (implicit gender bias) eine Rolle zu spielen.

Für viele Frauen spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine große Rolle. Wie durch Corona gezeigt, werden familiäre Care-Tätigkeiten nach wie vor überwiegend von Frauen übernommen. Daher wählen Frauen eher Arbeitgeber aus, bei denen sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als mehr gegeben ansehen. Außerdem ist eine wissenschaftliche Karriere an der Uni auch auf Grund von befristeten Arbeitsverhältnissen weniger planbar und damit unsicherer. Dies sind nach unseren Erfahrungen die beiden Hauptgründe, wieso viele Frauen diesen Karriereweg nicht verfolgen. Zudem kommt, dass vor allem in technischen Bereichen, Stellen außerhalb der Universität leicht zu finden.

Ein weiteres Manko ist zudem, dass es an der Technischen Fakultät aufgrund des niedrigen Frauenanteils, auch wenn dieser über die letzten Jahre stetig zugenommen hat, zu wenig Vorbilder in Form von role models auf den verschiedenen Ebenen der akademischen Karriereleiter gibt (s. dazu Broschüre „The Sky is The Limit“).

Wie können Sie dabei helfen, den Weg zu ebnen und diesen Karriereweg attraktiver zu machen?

Um so früh wie möglich anzusetzen, bietet die Technische Fakultät z.T. in Schulterschluss mit der Naturwissenschaftlichen Fakultät verschiedene Maßnahmen für Schülerinnen an, in deren Rahmen diese in die Vielfalt von MINT Feldern hineinschnuppern können und Wissenschaftlerinnen aus diesen Bereichen als Role-Models erleben (Girls Day), das Mädchen-und-Technik Praktikum, das Forscherinnen-Camp und MachMINT! Science made by women).

In den Zielvereinbarungen der Technischen Fakultät mit der Universitätsleitung zur Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft gibt es eine Vielzahl von Maßnahmen, um Studentinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen individuell zu unterstützen und so einen Ausgleich zur strukturellen Ungleichheit im Wissenschaftssystem zu schaffen.

Ein etabliertes und ständig weiterentwickeltes Instrument zur strukturierten Karriereplanung ist das ARIADNETechNat-Mentoring Programm für Masterstudentinnen, Promotionsstudentinnen und PostDocs+, in dem exzellente Studentinnen und Wissenschaftlerinnen Mentoren und Mentorinnen zur Seite gestellt werden, die sie unterstützen und bei beruflichen Entscheidungen, in Krisen, Herausforderungen oder auch einfach nur in der strategischen Planung zu beraten.

Dann gibt es eine Reihe von individuellen Förderprogrammen. So können Masterstudentinnen o.ä. Reisestipendien zur Teilnahme an Summer Schools und Workshops beantragen, Doktorandinnen und Postdoktorandinnen können Reisestipendien für Tagungen, Meetings, Konferenzen erhalten, wenn Sie dort ihre Forschung in Form eines Vortrages oder Posters präsentieren. Zudem werden auch kurze Forschungsaufenthalte in internationalen Laboren gefördert.

PostDocs, Habilitandinnen und Juniorprofessorinnen können eine Finanzierung von längeren Forschungsaufenthalten im Ausland über das International Visiting Scholarship erhalten, um so ein internationales Netzwerk aufzubauen.

Außerdem können auch externe Wissenschaftlerinnen an die TF zu einem Gastvortrag oder zu einem gemeinsamen Forschungsprojekt eingeladen werden können und so als role models fungieren oder aber auch um mögliche Kandidatinnen für die Besetzung von Lehrstühlen in Augenschein zu nehmen (proaktives Headhunting). Mehr Infos

Darüber hinaus werden individuelle Coachings ab der Qualifikationsstufe Promotionsstudentin angeboten, um Wissenschaftlerinnen spezifisch und gezielt unterstützen zu können

Die Technische Fakultät setzt aber auch eigene fakultätseigene Mittel ein, um Studentinnen und Wissenschaftlerinnen gezielt zu unterstützen. Über eine der Programmlinien werden Netzwerkveranstaltungen wie die hier vorgestellte gefördert, um den Frauen aufzeigen, dass sie in Summe trotz dem z.T. empfundenen Tokenstatus viele sind und ihnen eine Plattform zum Austausch und Netzwerken zur Verfügung zu stellen.  Die zweite Programmlinie adressiert die Identifizierung von potentialreichen Masterstudentinnen. Für diese werden Hilfskraftstellen in Forschungsprojekten zur Verfügung gestellt, um sie an die Wissenschaft heranzuführen und für diese zu begeistern

Wir haben mit unseren individuellen Förderungen ein sehr hohes Niveau erreicht, was auch bei Evaluation der Zielvereinbarungsmaßnahmen der Technischen Universität durch ein externes Expertinnenteam (CEWS, Kompetenz­zentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung; 2018 -2022) unter Beweis gestellt wurde. Daher empfehlen die Expertinnen zukünftige Maßnahmen nicht nur auf die individuelle Verbesserung der Situation von Nachwuchswissenschaftlerinnen abzustellen, sondern vor allem auch strukturelle Hindernisse wie die Privilegierung von Wissenschaftlern bei der Entwicklung ihrer Karriere und Lösungsansätze wie die Sensibilisierung für Implicit Bias und informelle Ausschlusskriterien in den Blick zu nehmen.

Masterstudentinnen-Programm

Events und Workshops

1. Treffen: „Netzwerken“

Die Auftaktveranstaltung fand am 15. September 2022 mit Masterstudentinnen und Wissenschaftlerinnen der Technischen Fakultät zum Thema „Netzwerken“ statt. Für den Fachvortrag mit anschließender Diskussion konnte Prof. Dr. Doris Segets, Lehrstuhlinhaberin für Process Technology for Functional Electrochemical Materials, Universität Duisburg-Essen, gewonnen werden. Sie sprach über “Hierarchically structured electrodes: Their design, implementation and characterization to make academic developments relevant” und machte durch das Teilen eigener Erfahrungen und Beispiele deutlich, wie wichtig das Thema Netzwerken auf allen Qualifikations- und Karrierestufen ist. Im Anschluss referierte Dr. Lisa Horvath zum Thema „Why you need a network – and how it makes you happy and successful“. Dr. Horvath arbeitet als Trainerin, Coach und Consultant über das Themengebiet Gleichberechtigung für Universitäten. Sie moderierte auch die Podiumsdiskussion zum Thema Netzwerken mit Vanessa Wirth, Promotionsstudentin in der Informatik, Prof. Dr. Katharina Breininger, Juniorprofessorin des Departments Artificial Intelligence in Biomedical Engineering, Prof. Dr. Doris Segets, Prof. Dr. Kerstin Amann, Leitung Teilbereich Nephropathologie der Medizinischen Fakultät und Dr. Monica Hinrichs-Mayer, Chief Information Office, wissenschaftsunterstützender Dienst. Über 70 Teilnehmerinnen tauschten sich aus und knüpften untereinander Kontakte.

Das Diversitykonzept der FAU

Titelbild Divisitätskonzept
FAU-Diversitätskonzept

Das Diversity-Konzept der FAU können Sie auf der Webseite des Büros für Gender und Diversity herunterlanden.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Fragen/Feedback zum Konzept habe?

Bei Fragen und Feedback zum Konzept wenden Sie sich auf Universitätsleitungsebene an den Vizepräsidenten People Prof. Dr. Andreas Hirsch und auf Arbeitsebene an das Büro für Gender und Diversity.